Follow by Email

Donnerstag, 28. Februar 2013

Italien: Humor ist, wenn man trotzdem wählt

Abteilung: Keine marktkompatible Demokratie

Die Italiener haben gewählt: Monti, die geschaltete Marionette des Austeritätskurses hat kläglich verloren und die Merkel-Opponenten in dieser Deutlichkeit nicht prognostizierte Siege eingefahren.

Da wäre zum einen Berlusconi:
Wenn dieser in einem computeranimierten Film besetzt wäre, würde ich mir wohl dauernd denken, dass man das wohl besser und lebendiger machen könnte, bei dem heutigen Stand der Technik.
Durch seine plastisch-chirurgische Verweigerung zu altern, mutierte er zur Holzpuppe, die, schlecht gerendert, neoliberalen Bullshit von sich gibt. Skandiert von seinem Medium-Imperium, welches die Pressefreiheit als vierte Gewalt ad absurdum führt.
Meiner Einschätzung nach, wurde Berlusconi nicht wegen seiner politischen Inhalte gewählt, sondern wegen seinen Kontra-Kurs gegen Merkel. Die Italiener wählten Bunga-Bunga statt sparen für die europäische Idee der Zockerrettung durch Sozialabbau und diktierte Armut.
Berluskoni ist der gewählte Stinkefinger in Richtung Merkel. Diese sitzt das wahlkampftaktisch geschickt - wie immer - aus, während Steinbrück in die Falle tappt, die gar nicht für ihn aufgestellt wurde.
Ohne Not nannte er die Sieger der Wahl 'Clowns' und verdiente sich damit redlich die Häme, die nun erneut über ihn gegossen wird, dem 'Peerlusconi'.

Aber man gönnt es ihm, dem Steinbrück. Selbst die (und möglicherweise gerade die), die sozialdemokratisch denken und fühlen, freuen sich über die weitere Selbstdemontage von diesem sogenannten Kanzlerkandidaten (sic!), der alles tut und sagt, um bloß nicht gewählt zu werden.
Mittlerweile tritt aber ein gewisser Gewöhnungseffekt ein:
Kein Spruch von Steinbrück ist mittlerweile wahlkampftaktisch zu blöde, um noch Verwunderung auszulösen. Wenn er für eine soziale Idee einstehen würde, wenn er authentische Opposition betreiben würde, ja dann würde man sich die Haare raufen.
So aber, kann man sich freuen, über dessen eigene Demaskierung, die er höchstselbst betreibt.
Denn Steinbrück ist nicht angefressen, weil ein Populist wie Berlusconi Wahlsiege einfährt. Steinbrück ist angefressen, dass die Kräfte, die den Merkel-Kurs fahren wollen, nicht gewählt wurden.

Man muss sich das mal zwischen den Gehirnhälften zergehen lassen:
Der Kanzlerkandidat der SPD äußert seinen Unmut darüber, dass jene Kräfte, die seine Opponentin bekämpfen, Wahlsiege einfahren! Er nennt den, der einen Kurs gegen seine Gegnerin fährt, einen Clown.
Abgesehen davon, dass B. wirklich ein (gefährlicher) Clown ist:
Sollte man in seinen Äußerungen nicht die Kritik gegen seine Opponentin im Wahlkampf aufnehmen? Zumindest als einschränkende Fußnote?

Zwischen den Zeilen von Steinbrücks unreflektierten Verbalausscheidungen kann man herauslesen, dass Steinbrück der selben Ideologie verfällt, wie Merkel. Sparen auf Kosten der Armen um die Gläubigerinteressen der Banken zu befriedigen. Es ist absolut der selbe europäische Kurs, für den er eintritt.
Seine Kanzlerkandidatur dient nur dazu, seinen eigenen Marktwert für zukünftige Redner-Vorträge zu erhöhen. Er macht sich zu einem Abziehbild, der vordergründig (aber absolut unauthentisch) für soziale Gerechtigkeit eintritt. Er demaskiert sich ohne Not (was gut ist!), er zieht sich 'des Kaisers neue Kleider' freiwillig an, er macht sich nackig - entblößt sich.
Steinbrück bringt mich dazu, obwohl ich der sozialdemokratischen Idee nahe stehe, auf seinen Niedergang, auf ein Desaster seiner populistischen Bemühungen zu hoffen.
Kein wirklicher Sozialdemokrat kann und sollte auf den Erfolg dieses Kanzlerkandidatens hoffen.

Aber nach Schröder ist Steinbrück nur die personelle konsequente Weiterführung. Diese Partei sollte mit der CDU fusionieren und ihren Namen aufgeben.
Die SPD ist so sozialdemokratisch, wie die CDU christlich.
Man kann nur noch wählen, unter welcher Führung die Finanzmarktinteressen befriedigt werden.

Und in einer Welt, wo sogar die SPD für die weitere Reichtumsverteilung von Unten nach Oben eintritt, kann ich mir nur verwundert den Kopf kratzen, in der Befürchtung, dass die LINKE die Fünf-Prozent-Hürde überspringen kann.

Der andere 'Clown' (Steinbrück) Grillo, steht für progressive Opposition gegen den Merkel-Sparkurs.
Auch das schmeckt unserem ach so sozialdemokratischen Kanzlerkandidaten natürlich nicht, dessen Gliedmaßen an den Fäden der Systemprofiteure hängen.

Wer sich darüber noch wundern mag, wird vermutlich auch darauf warten, dass der Osterhase ihm bunte Eier bringt...

Donnerstag, 21. Februar 2013

Lohnarbeit aus der Perspektive einer Utopie heraus betrachtet

Abteilung: Was sie schon immer über Lohnarbeit wussten, aber nie zu reflektieren gewagt haben.

Zur Zeit lese ich das Buch 'Morgen' von Robert Havemann, welches '@Ruby' mir dankenswerter Weise empfohlen hat.
Folgender Auszug daraus beschreibt aus einer Perspektive heraus, in der unten beschriebene Zustände längst überwunden sind, unsere Lohnarbeitsverhältnisse.
Nichts steht darin, was wir nicht wissen, aber es schärft den Blick auf das Bestehende, auf die Ungerechtigkeit, den Wahnsinn aktueller Reichtumsverteilung und deren immanenter Funktionsweise durch Zwang.
Auch macht dieser Text noch einmal deutlich, warum dies so nicht tragbar und zukunftsweisend ist.
Er zeigt auf warum es diese dogmatische Konstruktion der ungleichen Machtverhältnisse zu überwinde gilt:

"Schon zu eurer Zeit gab es zwei Arten von Arbeit: erzwungene Arbeit und freiwillige, notwendige Arbeit und nicht notwendige. Die notwendige Arbeit, die getan werden musste, damit die Gesellschaft in der bestehenden Form weiter existieren konnte, musste größtenteils erzwungen werden. Sie beanspruchte auch die Arbeitskraft der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung. Der Zwang zu dieser Arbeit wurde auf eine sehr einfache Weise ausgeübt: Die Arbeit wurde belohnt, es wurde Geld dafür bezahlt. Und ohne Geld konnte man in Eurer Zeit nicht leben, sondern nur verhungern und erfrieren. Wer leben wollte, musste gegen Lohn arbeiten. Nun gab es aber eine Menge Leute, die hatten Geld, ohne dafür gearbeitet zu haben. Sie waren einfach die Reichen. Die anderen, die arbeiten mussten, waren die Armen. Ich weiß, das ist grob vereinfacht, aber es trifft den Kern der Sache. Die Armen, die Arbeiter, oder wie man sagte, die Lohnabhängigen, sie mussten arbeiten um Geld zu bekommen. Was sie arbeiteten, interessierte sie dabei überhaupt nicht. Was bei ihrer Arbeit herauskommt, gehörte ihnen nicht, es geht sie nichts an. Ihnen gehört nur der Lohn, den sie zum Leben und Überleben brauchten. Die Produkte ihrer auf dieser Weise erzwungenen Tätigkeiten werden ihnen entfremdet, sie sind in keinem Augenblick ihr Eigentum, sondern das Eigentum der Reichen, eben der Leute, die Geld haben, für das sie nicht gearbeitet haben. Sie sind die Eigentümer von allem, die Eigentümer der Maschinen, der Fabriken, aller Rohstoffe und der Häuser, die Eigentümer von Grund und Boden, von allem was der Mensch braucht, vor allem von dem, was die Armen brauchen, um überhaupt arbeiten zu können und den kärglichen Lohn dafür zu erlangen. Ihnen gehören die Arbeitsplätze, ohne die keine Arbeitskraft sich verkaufen kann. Diese erzwungene Arbeit macht den Arbeiter zum Sklaven, weil er nicht für sich, sondern für einen anderen, für dessen Geschäfte und zu dessen Vorteil arbeitet und an dem konkreten Ergebnis seiner Arbeit keinen Anteil hat. Es ist klar, dass zu solcher Arbeit niemand bereit gewesen wäre, wenn er sich ohne Arbeit das für sein Leben unentbehrliche Geld hätte beschaffen können."        
(Seite 81)

Ich werde dieses Buch an anderer Stelle noch ausführlich besprechen...

Robert Havemann
Morgen. Die Industriegesellschaft am Scheideweg. Kritik und reale Utopie
Berlin 2010
ISBN 978-3-8391-3657-7
Edition Zeitsprung


Montag, 18. Februar 2013

Die heuschlerische Empörung des 'Homo ökonomikus'

Abteilung: Streitschrift und Wahlempfehlung

Wer nun empört sein sollte, dass Amazon ausbeuterische Arbeitsverhältnisse betreibt, der vergisst, dass ALLE Arbeitsverhältnisse ausbeuterisch sind und sich nur durch die Stufe der Ausbeutung unterscheiden. Kein einziges Arbeitsverhältnis in der freien Wirtschaft existiert aus humanistischen Erwägungen heraus - das Ziel ist es, Gewinne zu erzeugen, und die sind nun mal um so größer, je geringer der Arbeitslohn ist.
Die Anreize dieses Systems fördern Ausbeutung und der Wähler wählt die Parteien, die dieses System fördern. Im Herbst werden wir auf's neue die Erfahrung machen, dass mehrheitlich Parteien gewählt werden, die den Niedriglohn, die Leiharbeit und die Zwangsarbeit eingeführt haben, bzw. diese goutieren.

Wenn ihr Euch über Amazon empört, dann realisiert bitte, dass diese lediglich im legalen(!) Rahmen und im allseits anerkannten kapitalistischen Konkurrenzdruck sämtliche Vorteile (Niedriglohn, Steuerschlupflöcher, ...) nutzt.
Dies ist das, was man euphemistisch unter der gewinnoptimierenden Wirkung des Wettbewerbes und der Konkurrenz versteht.
Würde man einem Tennisspieler den Vorwurf machen, den Ball möglichst an die Begrenzungslinie zu schlagen? Würde man von ihm verlangen, den Ball dem Gegner vor die Füße zu spielen?
Wettkampf bedeutet, innerhalb der gegebenen Spielregeln möglichst effektiv zu sein.
Das ist Konkurrenz und Wettbewerb, und darauf fußt unsere Gesellschaft. Dies kann und sollte man anprangern, aber dann boykottiert dieses System und nicht deren Symptome!
Moralische und ethische Prinzipien sind eben KEIN Wettbewerbsvorteil konkurriender Unternehmen, sondern das genaue Gegenteil davon!

Ihr wollt billiges Fleisch, welches von Tieren stammt, die artgerecht gehalten werden. Dies gibt es nicht - und wer es verlangt ist dumm und naiv. Unser System setzt nun mal marktwirtschaftliche Anreize, mit möglichst geringen Input möglichst viel Fleisch auszubeuten. Wer sich nicht an diese Gesetzmäßigkeit hält ist nicht konkurrenzfähig; dessen Produkt wird vom Homo ökonomikus (weil zu teuer) verschmäht.
Die Tiere werden mit Kraftfutter gemästet um möglichst schnell Fleischzuwachs zu erreichen. Ihnen wird Bewegung untersagt, damit deren (durch Futtermittel) zugeführte Energie in Fleischzuwachs umgesetzt wird. Gleichzeitig werden dem Futter Medikamente zugesetzt, damit die Tiere nicht teilweise unter diesen lebensunwürdigen Bedingungen sterben und deren Fleisch dann nicht mehr verwertet werden kann (Gewinnreduzierung).
Ihr wollt es nicht wissen, verdrängt die Produktionsbedingungen, denn das Tier ist schließlich kein Lebewesen (mehr), sondern eine Ware.
Das stört Euch Konsumenten nicht weiter, solange es billig ist - und kein Pferdefleisch beigemischt wird...

Und wenn eine Reportage über diese 'Produktionsbedingungen' gesendet werden würde, über Massentierhaltung und Mastbetriebe, dann würde der nächste Aufschrei durch diese Republik hallen.
Ihr wärt empört, aber diese Empörung wäre wieder nur ein Symptom für Eure Verdrängungsmechanismen.

Der mahnende Zeigefinger ist auch gegen mich selbst gerichtet!
Ja, auch ich mache mich durch mein Konsumverhalten schuldig. Aber, im Gegensatz zu den Empörten über Amazon und Pferdefleischbeimischung, empöre ich mich über dieses System, welches marktwirtschaftliche Anreize setzt, diese Verfehlungen zu begehen.

Empörung ist nur dann authentisch, wenn die Parteien, die dieses System fördern und umsetzen dann auch nicht mehr gewählt werden. Weder setzt sich die CDU für christliche Werte ein (sondern ist lediglich neoliberal/marktgläubig - und korrumpiert damit christliche Werte), noch ist die SPD sozialdemokratisch. Die GRÜNEN haben keine (mir bekannte) Postion zur Massentierhaltung und die FDP ist nicht liberal. Die PIRATEN lasse ich hier mal außen vor, da ich finde, dass sie sich mittlerweile selbst überlebt haben.

Ausschließlich die LINKE vertritt linke Positionen.
Pazifismus, Umverteilung des Reichtums, Wiederaufbau des Sozialstaates, usw. .
Meiner Meinung nach wäre sie es wert (auch aus Mangel an Alternativen) diese durch Wahlvotum an ihrer Haltung zu messen. Gerade in dem Sinne, auf die die Empörung zielt, kann diese es auch nicht schlechter machen, als die etablierten Parteien. Ein Versuch wäre es wert - in den Ruinen dieser sogenannten Demokratie. Wenn man es mit dieser aufgebrachten Empörung denn ernst meinte...

P.S.: Das 'Ihr' meint nicht die Leser dieser Seite, sondern den Zustand der Republik!
P.P.S: Gysi, Du alter Aparatschnik; wo bleibt jetzt die versprochene Kohle? :-P


Freitag, 15. Februar 2013

Warum ich diesen Scheiß mache

Abteilung: Recycling

Hier postete ich, faul wie ich bin, einen Kommentar den ich bereits geschrieben habe. 

Es ging hier ursächlich darum, dass ich zu verschwurbelte Texte verfassen würde, die den gemeinen BILD-Zeitungsleser nicht erreicht, den es zu überzeugen gilt. 
Diese Kritik nehme ich durchaus ernst!

Meine Reaktion darauf, mag meinen getreuen Leser nicht vorenthalten bleiben, ohne Anspruch auf Deutungshoheit:

Es geht mir hier darum, was meine Intension ist, warum ich schreibe, was und wie ich schreibe - und der Wahl der Mittel:

"Interessante Diskussion!
Aber Leute, ich will hier nicht die BILD-Leser erreichen. Ich glaube nicht, dass die sich für linke Themen und Inhalte begeistern lassen, weil ich mal fremdwörterfrei einen Beitrag verfasse. Auch FDP-Wähler werde ich nicht 'bekehren' können. Und ich habe auch keinen Bock hier Titten-Bilder reinzustellen, um die 'bildungsfernen Schichten' zu erreichen... (Achtung, Zynismus)
Diese Seite ist ein Hobby von mir. Keinen Cent verdiene ich damit - und will das auch nicht - weil dies dann paradoxe Züge annehmen würde und ich damit meine eigene Authentizität untergraben würde. Kann hier nicht gegen den Kapitalismus anstinken und damit Geld verdienen. 
Not my way.
Aber Leute, ich mag es zu fabulieren. Ich hoffe, das kommt nicht als pseudo-intellektuellen-Gewichse bei meinen Lesern an.
Ich bin kein Heiliger, und nur bedingt altruistisch.
Es tut mir gut, hier einen Weg gefunden zu haben, meiner Wut ein Ventil zu bieten.
Ich habe nicht den Anspruch, BILD-Zeitungsleser zu bekehren. Daran würde ich scheitern.
Ich verarbeite hier meine Wut. Und wenn jemand ein Wort nicht kennt, welches ich benutze, dann googelt er es - weil er lernen will - oder lässt es. Beides ist okay, für mich.
Ich bin kein Weltenretter und habe auch nicht den Anspruch, dies zu sein.
Ich erkenne, dass diese Welt vor die Hunde geht und zeige mit dem Finger darauf. Mit meinen Mitteln und auf meine Art.
'I do it my way!" (Sinatra)

Ich freue mich über jeden Click und noch mehr über jeden Kommentar. Auch über jene, die mich kritisieren.

Ich bin stolz auf Eure Meinungsäußerungen, und freue mich über jede eurer Argumentartionslinien! 

Dieser Blog tut mir gut!
Ich freue mich über Zuspruch, aber auch über argumentative Kritik!

Genau deshalb betreibe ich diesen Blog.
Ich will Zuspruch, aber auch die 'Reibung' von Andersdenkenden.

Bislang werden diese Bedürfnisse erfüllt...

Und noch bin ich in der (mir total wichtigen) Lage, Kommentare nicht freischalten zu müssen!

Alles ist cool hier! 
Es gab bislang keinen Kommentar, den ich hätte löschen wollen!

Genau diese Tatsache lässt mich weiterhin diesen Blog betreiben!

Solidarisiert Euch mit meiner Meinung, oder tretet in Opposition dazu!
Beides ist mir (gleichsam) wichtig!

Dieser Blog ist eine sehr schöne Erfahrung für mich!

Ich danke Euch dafür!

Euer Dude"


Freue mich auf Eure Kommentare!

Donnerstag, 14. Februar 2013

Im Minenfeld der Nebelkerzen

Abteilung: Vernebelte Wahrnehmung

Es gibt wahrlich wichtige Themen, die das Potenzial haben unsere Zukunft zu bestimmen, die aber medial kaum beachtet werden.
Da haben wir beispielsweise, das europäische Projekt 'INDECT' welches einen Vorgeschmack gibt, wohin die (überwachungsdienstliche) Reise geht - (Orwell lässt grüßen). Ich habe diesem Projekt einen Beitrag gewidmet, der aber weitgehend unbeachtet blieb.
Klingt da Frust durch?
Aber sicher!

Wenn ich aber Beiträge zur Blog-Sphäre loslasse, Hitparaden ausrufe oder reflexartigem dem Setting der Mainstream-Thematik folge, dann schnellen die Klick-Zahlen in die Höhe. Es gäbe hier unzählige Beispiele und Möglichkeiten zu verlinken.
Habe ich aber keinen Bock drauf. Wer mag, möge sich durch mein Archiv quälen und deren Resonanz via Kommentarfülle überprüfen.

In Europa - und dem Rest der Welt (wozu sowieso die USA gehört) etabliert sich bittere Armut, soweit diese Armut nicht schon ewig bereits existiert (und somit etabliert ist). Ist das noch ein Aufreger?
Nicht in der medialen Welt, und auch meist nicht in den Köpfen der ach so linken Blog-Szene.

Nichts liegt mir ferner, als meinen Blog-Kollegen den erhobenen Zeigefinger vorzuhalten!
Nicht zuletzt ist deren Aufgabe ja schließlich, die mediale Kakophonie zu kommentieren und deren eine oppositionelle Haltung entgegenzusetzen.
Ich selbst tat dies ja zur genüge und werde dies wohl auch weiterhin tun.

Wir, die Blogger - und das ist mein Appell - sollten uns aber nicht in den medialen vorgegebenen Nebelschwaden verlieren und dabei die wirklich bitteren, krassen, menschenverachtenden Zustände vergessen, die unseren Planeten überziehen. Sollten versuchen, nicht den medial verteilten Brotkrumen zu folgen, sondern  uns einen eigenen Weg suchen - und diesen auch gehen.
Wir, als 'fünfte Gewalt' sollten uns unseren Fokus nicht von den etablierten Medien, der 'vierten Gewalt' abnehmen lassen. Unser Auftrag sollte perspektivisch sein, den Fokus selber zu setzen, anstatt uns damit zu genügen, die vierte Gewalt zu kommentieren.
Ein Anspruch an dem ich selbst gescheitert bin, und vermutlich auch scheitern werde. Aber dem Anspruch des 'Agenda Settings' sollten wir trotzdem nie aus dem Auge verlieren.

Das Brüderles Anmache ein überholtes Frauenbild plakatiert ist sicher einer Auseinandersetzung und Diskussion wert. Man kann sich mit Fug und Recht über die Entwicklung medialer Unterhaltungskultur (bspw. Dschungelcamp) auslassen und man mag auch darüber diskutieren, ob ein Papst sein Amt kündigen kann, oder ob es rechtens ist, dass das Ringen wohl nicht mehr olympisch sein wird und warum.

All das sind Themen, die es Wert sind, von der Blogger-Gemeinschaft aufgefangen und kommentiert zu werden.

Gerade aber diese Blogger sollten sich gewahr werden (an diesem Anspruch will auch ich mich messen lassen), dass es viel relevantere Themen gibt, solange Menschen an Hunger sterben. Solange der Reichtum von unten nach oben verteilt wird. Solange Menschenrechte gebrochen werden, weil sie dem Profit untergeordnet werden.

Jeder Blogger kann und sollte sich mit (je)der Sau auseinandersetzen, die durch die mediale Wahrnehmungsschwelle getrieben wird. Aber, wir sollten immer im Hinterkopf behalten (und reflektieren), warum dies geschieht. Nämlich um (uns) abzulenken, von den Themen, die uns daran hindern, dieses System in Frage zu stellen.

Obwohl die Leser (und damit der Gesamtbevölkerung folgend) goutieren, wenn man den medial gesetzten Themen folgt, sollten wir uns den Auftrag setzen, diese Themen zu relativieren mit Hungertoten auf den Rest dieser Welt.

Links ist man nicht, wenn man gegen Arbeitslosigkeit und für Vollbeschäftigung eintritt.
Links sein, ist kein Appell auf das 'Recht auf Arbeit'.

Links sein, in meinem Verständnis bedeutet globale Gerechtigkeit. Der Kampf gegen Armut und Hungertote.

Dieser Definition folgend sind sogenannte sozialdemokratische Parteien und Gewerkschaften nicht links und waren es nie. Diese denken nicht global sondern volkswirtschaftlich.
Deren Solidarität ging, nicht einmal propagandistisch, über deutsche Grenzen hinaus.

Links sein - so wie ich das empfinde - kann nur global gedacht werden!

Was denkt ihr?

Montag, 4. Februar 2013

Tod eines Helden

Abteilung: Die Romantik ballistischer Flugkurven

Heute ist ein schwarzer Tag für Demokratie, Gerechtigkeit, christlicher Werte und Heldentum:

Chris Kyle, einer der letzten Helden, der für diese Werte gelebt habt, ist hinterrücks und feige ermordet worden!

Was ihn zum Helden machte?

Nun, diese Ikone amerikanischen Patriotismusses hat über 160(!) Feinde getötet, und war damit Weltmeister und Idol.

Mit dem Sniper-Gewehr: Durch's Zielfernrohr anvisiert, Windgeschwindigkeit, Luftdruck und ballistische Tabellen auswertend die Flugbahn berechnend, und ZACK, kurzes Tippen auf den Abzug, und ein weiterer 'Hit' für die Quote.

Geht's noch amerikanischer? Wohl kaum!

Vermutlich tippen sich in diesem Moment die Drehbuchschreiber die Finger wund und Künstler entwerfen derweil eine monumentale Statue.

Natürlich hat unser Held ein christlich geprägtes Weltbild und er hat auch immer Gottes Gebot: 'Du sollst keinen Amerikaner töten' beherzigt.

Ein amerikanischer Held definiert sich nicht über die kritische Reflexion seines Handelns, sondern über die Auszeichnungen, die er sich 'verdient' hat.

So hatte er nie Zweifel, dass die 160 Menschenleben, die er genommen hat, (Zitat: "Wenn Gott mich einst mit meinen Sünden konfrontieren wird dann glaube ich nicht, dass es dabei um die von mir Erschossenen gehen wird. Jeder, den ich erschossen habe, war böse. Ich hatte gute Gründe für jeden einzelnen Schuss.") auch nur in einzelnen Fällen ungerechtfertigt gewesen sein könnten.

Über das Zielfernrohr war unser Held stets in der Lage, Schuld zweifelsfrei festzustellen und das somit gerechtfertigte Todesurteil zu vollstrecken.Zugegeben ein Held vergangener Tage, denn diese Vorgehensweise lässt sich mittlerweile viel effektiver mit Drohnen bewerkstelligen
Ja, da schwelgt man ein wenig in Nostalgie...

Denn, wo bleibt die Romantik des Tötens, die sein Buch in die Höhen der Bestsellerlisten erhebte, wenn ein Nerd mit Joystick nun diese heroischen Akte vollzieht?
Umso tragischer, dass einer der letzten großen Helden nicht etwa im Kriegsgeschehen stirbt, sondern durch einen traumatisierten Irak-Veteranen! Dieser hat selbstverständlich mit der Todesstrafe zu rechnen, denn man darf - Kriegspsychose hin oder her - keine Amerikaner töten, schon gar keine Helden, der sich durch die massenhafte Tötung von Irakern, die ihr Land gegen die Invasion verteidigen wollen, verdient gemacht hat.
Amerika, 'land of the brave', wo man noch weiß, was Gut und Böse ist, wo die Grenzen so klar gezogen werden.
Amerika, wir können viel von Dir lernen: Patriotismus, Heldentum und die Durchsetzung von Gott gegebener Werte durch Waffengewalt. Und wir wollen ja auch lernen! Unterstützen willfährig und unreflektiert den Kampf gegen den Terrorismus.
Auch Deutschland bewegt sich zu der Erkenntnis, dass Waterboarding und die Entrechtung politischer, kultureller und religiöser Andersdenkender uns den Weg in eine gerechte Zukunft bahnt. Und mit Waffenexporten lässt sich nebenbei noch ein wenig das Staatsäckel füllen.
Töten für Gerechtigkeit, foltern für die Demokratie. Dies ist die Lektion, die wir zu lernen haben.
Unser Held Chris Kyle symbolisiert diese Werte. Umso tragischer sein Tod.

So zumindest im SPIEGEL zu lesen, auf dem dieser Beitrag fußt. Eine unreflektierte Verherrlichung von amerikanischen Heldentum. Qualitätsjournalismus, der mal wieder kritische Hinterfragung der Kommentarspalte überlässt...

Sonntag, 3. Februar 2013

Petitionen, deren Teilnahme Pflicht sind

Abteilung: Wo kein Kläger, da kein Richter

Weil die Zahl der erfolgreichen Widersprüche gegen unrechtmäßiger Sozialleistungskürzungen stetig steigt, handelt die Bundesregierung in ihrer menschenfeindlichen Logik und Ideologie durchaus konsequent:
Sie will den Zugang zur Prozesskostenhilfe verschärfen.

Eine Petition gegen diesen Gesetzentwurf könnt ihr (und solltet ihr!) HIER unterzeichnen!

Mehr zu dem Thema, bei 'Notizen aus der Unterwelt'