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Montag, 30. September 2013

Annäherungsversuche

Abteilung: Machtoptionen vs. Opposition

Wer, in dieser kranken Welt, muss bei dem Wort 'Annäherungsversuche' an Merkel denken? Sind die Parteien, deren Politiker pervers, oder sind diese demokratischer Ausdruck der geronnenen Perversion des Wählerwillens?

Diese Assoziation versteigt sich dann auch noch in der Aussage mit Merkel in's Bett zu steigen... Das Koalitionsbett - ach so.

Dieses ist frisch aufgeschlagen. Die SPD ziert sich (noch), die GRÜNEN auch. Irgendein ein schwarz-schwarzes Bündnis wird sich schon ergeben - so das Kalkül der Kanzlerin und deren Wurmfortsatz, der CDU. Schließlich haben deren beider Wähler für ein 'Weiterso! Uns geht's doch gut!' gestimmt. Dies ist mit Modifikationen von beiden Umworbenen umzusetzen. Beide sind bereit, soziale Gerechtigkeit für 'alternativlose' Wirtschaftspolitik zu opfern. Sicher, man gibt sich 'prüde' als Opposition, schiebt linke Argumente vor, um sich streitbar zu geben und den eigenen Preis hoch zu halten.
Letztendlich - so ist meine Interpretation momentaner Scheingefechte der SPD und GRÜNEN - gibt es zwei entgegengesetze Momente in der strategischen Ausrichtung: Einerseits der Wunsch und Wille der Parteigranden an Macht, Einfluss und Salär teilzuhaben (Ministerposten), andererseits aber die Wähler und Parteimitglieder zu befrieden.
Ein Spagat, der manipulativ unterfüttert werden muss um zu gelingen. Bei beiden Koalitionspartnern ist es abzusehen, dass deren Partei bei der Wahl 2017, oder bei vorzeitigem Scheitern der Koalition, verlieren wird. In beiden Parteien gibt es aber Karrieristen, die innerhalb der Partei - auch wenn diese schwächer wird, wachsen werden. Abzuwarten bleibt, welche Macht sich durchsetzen wird: Die Macht einzelner Karrieristen oder die Partei-Basis, und nicht zu vergessen, der potentielle Wählerwillen.

Vergessen wird dabei, dass man Merkel und deren Gefolge einfach auflaufen lassen könnte. Ein 'nein' von SPD und(!) GRÜNE würde Merkel in eine (tolerierte?) Minderheitenregierung zwingen, die nicht lange funktionieren würde. Die Gefahr, dass die FDP oder/und die AfD die 5%-Hürde bei vorzeitigen Neuwahlen dieses mal überspringen könnte, ist meiner Meinung nach ein medial an die Wand geschmiertes Schreckgespenst, welches Merkel zuspielt. Ich denke mal, dass sie schwarz-gelb nicht wirklich anstreben wird - Machtpolitikerin die sie ist. Eine Koalition mit der AfD kommt für Merkel eh nicht in Frage.

Meiner Einschätzung nach würde eine gemeinsame Verweigerung der Koalition von SPD und GRÜNE die Kanzlerin und die CDU viel mehr insgesamt schwächen (auch bei Inkaufnahme von Neuwahlen) als ein Kompromissbrei bei einer wie auch immer gearteten Koalition.

Vermutlich würde dies auch so laufen, wenn SPD und GRÜNE wirklich Oppositionspolitik betreiben wollten, wenn diese Parteien wirklich Merkel ablösen wollten - um eine linke Politik zu betreiben.

Letztendlich bin ich aber realistisch genug, davon auszugehen, dass es zu schwarz-rot oder schwarz-grün kommen wird.

Die LINKEN werden daran vermutlich wachsen. Entweder werden sie größte Oppositionspartei sein [schwarz-rot] oder in der Opposition mit der SPD zusammenwachsen [schwarz-grün] (hoffentlich ohne ihr Profil zu verlieren). In so fern kann ich als bekennender LINKE-Wähler gut damit leben - auch wenn die Politik die unter diesen Konstellationen meiner eigentliche politischen Ausrichtung widersprechen wird.

Spannend bleibt es sowieso. Selbst, wenn man, wie ich, bezweifelt, dass der Wille des Volkes wirklich nachhaltig in einer parlamentarische Demokratie (Stichwörter: Lobbyismus, Korruption, Parteispenden, mangelnde regulative Gewalt der 'vierten Macht, mangelnde systemübergreifende politische Bildung und Information,...) umgesetzt wird.

So paradox dies auch klingen mag:
Momentan kann Opposition nur in der Verweigerung von politischer Machtpartizipation umgesetzt werden.

Eine wirkliche oppositionelle Haltung sehe ich momentan aber nur bei den LINKEN.

Grüße Duderich

Mittwoch, 25. September 2013

Wie geht's jetzt weiter?

Abteilung: Der Antlitz der großen Koalition in der Kristallkugel

100% meiner Leser haben in einer von mir erhobenen repräsentativen Umfrage (6 Stimmen [immerhin!] - Stand 22:22h, 25.09.d.J.) die große Koalition prognostiziert. Nun kann man durchaus denken, dass diese Koalition (es gäbe drei andere Alternativen) eine wäre, mit der sowieso jeder gerechnet hat. Insofern langweilig. Man hat es ja vorausgesehen - es gibt nichts zu sehen, bitte weitergehen...

Wenn man denn glaubt, dass es auf das Bündnis schwarz-rot hinausläuft, dann schwingt dieser Prognose, meiner Einschätzung nach, doch die Einschätzung einer gewissen Erkenntnisresistenz der Sozialdemokraten mit.
Selbst wenn man davon ausgeht, dass die SPD das reine Machtkalkül, das strategische Denken antreibt, wenn man mal alle Gefühle herausnimmt und nur die Fakten sprechen lässt - selbst dann kann man in der Prognose einer GroKo (Große Koalition) doch nur die Erkenntnis der Dummheit der Sozialdemokraten herauslesen:
  • Schröder machte einen Wahlkampf der sozialen Gerechtigkeit. Dieser tat aber das Gegenteil davon wofür er gewählt wurde. Er etablierte die Agenda 2010. Ich hoffe, ich brauche in diesem Zusammenhang nicht aufzuführen, was diese politische Agenda mit dem Sozialstaatsgefüge anrichtete. Massenweise Austritte aus dieser Partei, die Geburt der WASG (später, die LINKE [im Zusammenschluss mit der PDS]) waren die Folge. Die Wählerzustimmung zur SPD sank erdrutschartig.
  • Die SPD ließ sich dafür von ihrem politischen Gegner, der CDU loben. Ignorierte die schwindende Zustimmung der Bevölkerung und machte somit den Weg frei für eine markt-gerichtete schwarz-gelbe Koalition. Die SPD stand nicht mehr als Opposition zur Verfügung, sondern buhlte um die 'Mitte' und ließ ihre ursprüngliches Klientel im Stich. 
  • Steinmaier verlor gegen schwarz-gelb, weil er weiterhin für die Agenda 2010 stand und links blinkte.  Links blinken und rechts abbiegen wollen, das widerspricht der Straßenverkehrsordnung und auch dem Wählerwillen. Auch diese Erfahrung des gescheiterten Wahlkampfes (historische Niederlage der SPD) wäre Grund genug gewesen, innezuhalten, zu reflektieren, und sich neu aufzustellen. Auch wenn nur strategisches Kalkül der Motor wäre - ohne Berücksichtigung der sozialen Gerechtigkeit - für die die SPD doch so gerne wirbt.
  • Wahlen 2013: Wer wird Kanzlerkandidat? Steinbrück! Der die Finanzmarktspekulationen als ehemaliger Finanzminister liberalisiert hat. Der die Alimentierung eines Kanzlergehaltes für zu niedrig empfindet. Der sich für Redebeiträge für die Industrie sehr, sehr gut bezahlen lässt. Authentisch geht anders. Gerade im Hinblick auf dem Wahlkampf (damals von Schröder) wünscht man sich doch als Sozialdemokrat im Sinne des Wortes, dass man sich doch ein wenig mehr Mühe gibt, zu verarschen. Im zurückliegenden Wahlkampf der SPD kann man sich eigentlich nicht mal herausreden, verarscht worden zu sein. Nein, man hat sich selbst verarscht, wenn man immer noch die SPD wählt!
  • In so fern, mag es mich nicht verwundern, wenn die SPD sich weiter marginalisiert und eine große Koalition mittragen würde. Ist der Ruf erst ruiniert, regiert es sich ganz ungeniert. Man wird sich ganz staatstragend geben, alternativlose Entscheidungen für Deutschland und Europa abnicken. Auch militärische Interventionen werden abgenickt, gerade da, wo es um die Hoheit oder dem Zugang von Ressourcen (Erdöl) geht. Man ist ja vernünftig und staatstragend. Man hat ja den Wirtschaftsstandort Deutschland im Blick. Kollateralschäden (unschuldige Zivilisten) werden dafür gerne hingenommen. Wer anders denkt ist nicht regierungsfähig. Scheiß Linksextreme!
  • Sind tatsächlich Ministerposten und Machtbeteiligung es wert, die SPD weiter zu Grabe zu tragen?
Wer die SPD als Vertreter für ausgleichende Gerechtigkeit sieht, der möge weiter träumen.

Wer die LINKE als nicht koalitionswürdig sieht, der sollte gut genug recherchieren und Argumente sammeln. Denn hier, auf dieser Seite, wird er sich argumentativ auseinandersetzen müssen.
Ich behalte mir (weiterhin) vor, einzeilige Kommentare zu ignorieren. Zumal, wenn deren Adressat 'Anonym' heißt...

Übrigens: Eine GroKo hätte eine 2/3-Mehrheit, und damit die Macht Grundgesetze zu ändern....

Grüße, Duderich

Dienstag, 24. September 2013

The day after

Abteilung: Die Spinne im Netz

Okay, okay. Ich habe falsch gelegen. Mehrfach.

Die FDP ist nicht mehr im Parlament (zumindest nicht im Bund).
Ich habe Häme empfunden, und dafür schäme ich mich ein wenig.
Ein bisschen.
Ein ganz kleines bisschen.
Über Niederlagen von anderen und Andersdenkenden sollte man keine Freude empfinden - so flüstert der moralische Kompass, den man sich in Lebenszeiten erworben hat.
Als ich Brüderle und Rösler aber sah, wie sie ein Statement zur historischen Niederlage in die Kameras schmachteten empfand ich pure Genugtuung.

Man mag dass meinem Charakter anlasten.
Zu meiner eigenen Verteidigung möchte ich anfügen, dass eben diese, eben auch kein Herz für Verlierer (der Gesellschaft) hatten, sondern nur für die Gewinner und für die 'Leistungsträger' - zu denen sie (und ihre Partei) beide nicht (mehr) gehören. Solidarität mit den Abgehängten haben sie kaltschnäuzig abgelehnt. Jetzt sind sie selbst abgehängt. Mit dem Unterschied zu den Abgehängten unserer Gesellschaft, dass sie sich um ein Auskommen keine Sorgen machen müssen.
Die FDP hat an Macht und an Einfluss verloren.
Ich finde das gut.
Macht mich das zu einem Zyniker oder zu einem Humanisten?

Irgendwie auch egal. Beides bin ich ein wenig, beides beschreibt mich nicht gänzlich.
Bin einfach nur ein kleiner Blogger, der sich freut, dass die, die nur das Wohl der Gewinner im Blick haben, nun die Verlierer sind.
Der befristete Vertrag wurde nicht verlängert, eine (röslersche) Anschlussverwendung findet sich bestimmt.
Solidarität haben sie sich nicht verdient, da sie diese für Menschen in prekärer Lage nie selbst empfunden haben.
Also von mir dazu nur ein kindliches 'Ätschi-bätschi!' an die FDP.

Die AfD (hier lag ich auch falsch) hat die 5%-Hürde nicht überspringen können. Ich halte deren Anhänger (strategische Wähler seinen hier ausgenommen) für reaktionäres, nationalistisches Geschmeiß. Wenn Strauß jemals einmal was richtiges gesagt haben sollte, dann, dass es keine Partei rechts der CDU geben darf.
Trotzdem habe ich gehofft, dass die AfD in das Parlament einzieht. Durch die Fraktion der AfD innerhalb der Opposition hätte die CDU Stellung beziehen und sich abgrenzen müssen. Dies wäre mal spannend gewesen und im Sinne der parlamentarischen Demokratie.

"Hätte, hätte, Fahrradkette."

Nun also ist die Situation so, dass die Merkel CDU knapp die absolute Mehrheit verfehlt hat.

Sie, (die Merkel/CDU) braucht einen Mehrheitsbeschaffer. Dafür (vernachlässigen wir mal eine tolerierte Minderheitenregierung, die die sicherheitsbewusste Merkel sicherlich nicht wählen wird) kommt nur die SPD und DIE GRÜNEN in frage.
Für beide Fraktionen mag es einerseits sicherlich attraktiv sein in einer Regierung mitzugestalten(?) und Ministerposten zu bekleiden.
Andererseits hat Merkel aber mittlerweile den Ruf einer 'schwarzen Witwe', die dem jeweiligen Koalitionspartner aussaugt und selbst unbeschadet eine Legislaturperiode übersteht. Die SPD und, noch dramatischer die FDP, haben diese Erfahrung gemacht. Die GRÜNEN sind sicherlich nicht erpicht darauf, diese Erfahrung selbst zu machen.

Die Regierungsbeteiligung (so paradox dies auch auf dem ersten Blick anmuten mag) wäre deshalb erstmal ein Pyrrhussieg. Weder die SPD noch die GRÜNEN wollen sich freiwillig in das klebrige Spinnennetz der Regierungsverantwortung begeben, denn der Preis dafür ist absehbar eine weitere fallende Zustimmung der potentiellen Wähler im Laufe der Legislaturperiode. Jetzt schon sind die Unterschiede der politischen Stoßrichtungen beider möglichen Koalitionspartner zur CDU nur marginal. Beide Parteien wissen, dass deren Profil im Würgegriff der Koalition mit der CDU weiter blankgeschliffen werden würde.

Dementsprechend werden SPD und GRÜNE, die Latte ziemlich hoch legen.
Denn die Basis beider Parteien wollen die Koalition nicht wirklich. Wollen eigenen Parteieneinfluss statt Posten weniger Privilegierter.

Vielleicht mag die SPD der CDU einen flächendeckenden Mindestlohn abtrotzen.
Oder die GRÜNEN energiepolitische Zugeständnisse.

Für beide wird der Preis aber letztendlich zu hoch sein.

Dass unter diesen Machtverhältnissen eine Rot-Rot-Grüne Koalition (die eine Mehrheit hätte) nicht einmal in Betracht gezogen wird, spricht Bände über die bundesdeutsche Parteienlandschaft.

Und im staatlichen Fernsehen wird (in der 'Elefantenrunde') die Forderung der Linken nach 10 € Mindestlohn als unüberwindbare, extreme Forderung kolportiert.
Milliarden an Unterstützung von Banken ist Mainstream (und nicht wirklich hinterfragt).
Aber ein Lohn, der einen Rentensatz nach 40 Jahren Erwerbsarbeit über Hartz-IV-Niveau gewährleistet, ist extrem!

Danke, öffentliche Berichterstattung, die ich zwangsweise finanziere, damit sie unabhängig bleibt!

Freitag, 20. September 2013

Meine Wahlprognose

Abteilung: Eine Raute ist eine Raute ist eine Raute

Habe mit einem Freund gewettet. Um eine gute Flasche Roten. Dass die 'Alternative für Deutschland' (AfD) in den Bundestag zieht.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass die AfD das packt:
-Zurück zur DM (schmacht).
- Keine Transferleistungen mehr an schwächelnde EU-Mitgliedsstaaten (schmacht)

Das hört sich doch super an!

Stimmen innerhalb dieser Partei, befürworten dann auch, dass einerseits Sozialleistungsempfänger kein Wahlrecht haben sollten, und andererseits, dass diese ihr Obolus mit Organspenden auffüllen können.
Wenn das mal keine ausgleichende Gerechtigkeit ist!

Wofür diese Partei steht, lehne ich prinzipiell ab. Niemand, der mich analog oder digital kennt mag dies verwundern.
Paradoxerweise hoffe ich, dass diese Partei zur Fraktion wird. Denn der Einzug dieser Partei, wird die angekochte Suppe unserer Parteienlandschaft gehörig umrühren!
Sobald die AfD in den Bundestag einzieht, wird es mehr Stimmen geben, die parlamentarisch relevant sind. Bis 4,9% verfallen die(se) Stimmen, und sind nichtig für die Aufteilung der Sitze im Bundestag.
Verkürzt ausgedrückt, wird der Einzug der AfD eine scharz-gelbe Regierung verhindern (in der Annahme, dass die FDP die 5% Hürde überspringt) - wovon ich (und wohl die Allermeisten) ausgehe(n).

Die Piraten werden an der 5%-Hürde scheitern - FDP und AfD nicht.

Wenn ich richtig liege wird es noch mal spannend:
Nicht, dass es faktisch an der Lebenswahrnehmung der Abgehängten (zu der mittlerweile auch der Mittelstand gehört) etwas ändern würde.
Spannend werden lediglich die Erklärungsversuche der Machterhaltung sein. Spannend UND peinlich.
Gegen dass, was von Parteien und deren beiseite springenden Medien kommuniziert werden wird, wenn die AfD über die 5%-Prozenthürde springen wird, wird die Fremdschäm-Performance von Klaas und Joko (diese zumindest gewollt) unfreiwillig Ausmaße olympischer Rekorde erreichen.

In so fern mag ich mich zumindest teilweise darüber erfreuen, wenn die AfD die 5%-Hürde schafft, obwohl ich deren Ausrichtung gänzlich ablehne.
Denn deren Einzug wird dazu Anlass geben, die breiige Suppe der Parteienlandschaft noch mal umzurühren.

Das Gute im Schlechten.

Meine Prognose also:
  • 'Die Raute' bleibt Kanzlerin (so wenig diese Prognose überraschen mag, um so mehr kopfschüttelnd hinterlässt sie mich).
  • Die FDP und (!) die AfD werden die 5%-Hürde überspringen.
  • Die kommende Regierung wird eine 'große Koalition' sein.
  • Die Piraten werden keine Fraktion bilden können (an der 5%-Hürde scheitern).
  • Die Linke wird knapp nicht zweistellig sein.
Wenn ich auch nur in einem der aufgeführten Punkte falsch liegen sollte, dann werde ich eine Woche lang Werbung für unsere alte und (soviel ist klar) neue deutsche Kanzlerin machen!

Ein Dude, ein Wort!

Donnerstag, 19. September 2013

Die ersehnte 'Revolution der Liebe' (Wecker/Prinz Chaos II)

Abteilung: Der Wecker, der Konstantin heißt

Es mag sich selbst-mitleidig anhören, aber ich wähne mich in einer Welt, die ich als grob ungerecht und unvernünftig empfinde.
Vernunft, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit sind nicht die Werte, die das Handeln der Menschheit bestimmen. Vielmehr drängt sich mir das Gefühl auf, dass sich ein System etabliert hat, von dem wenige Nutznießer profitieren, die große Mehrheit aber darunter leidet, und, so ist zu befürchten in Zukunft noch weiter (und tendenziell im größeren Maße) leiden wird.

Ich weiß auch, dass diese Ausführung, sich nach naivem, linksgerichtetem Spinnertum anhört. Und genau da soll diese Wahrnehmung ja auch verortet werden.

Ein reflektierendes Innehalten entspricht nicht dem Geist der Zeit, in der Sachzwänge dominieren, Alternativlosigkeit herrscht und die Globalisierung die Marschrichtung (Wettkampf und Konkurrenz - innerhalb und außerhalb von Volkswirtschaften) vorgibt. Es ist eine Welt, wo Individuen, Interessengruppen und Staaten gegeneinander antreten. Ein stetiger Kampf um eigene Interessen. Global denken ist total fremd. Die Welt wächst im Zeitalter der Globalisierung nicht zusammen - nein, sie driftet in einer barbarischen Dynamik auseinander.
Wir beobachten den Weltraum im immer größer werdendem Radius, während wir auf unserem eigenem Planeten den Hunger nicht nur nicht bekämpfen, sondern fördern. Wir betreiben Raubbau an der Natur/unserem Ökosystem, die unsere Lebensgrundlage darstellt.

Die durch den Armuts- und Reichtumsbericht dokumentierte Verteilung von unten nach oben ist nicht national begrenzt, sondern wirkt global. Banken werden gerettet, Zinsansprüche gewährt - zum Preis von Armut und Hunger. In den Regionen, die Rohstoffe bergen, die nötig sind um dieses System am Laufen zu halten (Erdöl, -gas, ...), werden Kriege geführt, für vorgeschobene Gründe der Humanität, während in anderen Regionen Menschen am Hunger verrecken.

Selbst, wenn man nur sein eigenes Wohl im Auge hat, egoistisch ist und selbst-zentriert, müsste man gegen die bestehenden Zustände aufbegehren.
Europäisch, gar global betrachtet, wird der Widerstand gar zur Pflicht - wenn das eigene Weltbild humanistisch verwurzelt ist.

Widerstand: Dass hört sich nach Blut und brennenden Fassaden an. Widerstand: Das hört sich danach an, vom Verfassungsschutz, von Geheimdiensten, ja von der Demokratie bekämpft werden zu müssen. Aber gerade dieser Widerstand ist ur-demokratisch!
Dieser Widerstand muss sogar erst nicht mal im Handeln münden, sondern wäre selbst machtvoll im nicht-Handeln, im nicht-funktionieren, im nicht-mittragen.

Mal 'Nein!' zu sagen, wo eine alternativlose Zustimmung gefordert wird. Sich dem unreflektiertem Zeitgeist entgegen zu stemmen, oder zumindest nicht nachzugeben.

Der inneren Vernunft Raum zu lassen sich zu entfalten, statt sie sog. 'alternativloser Sachzwänge' unterzuordnen.

Mal fünf Schritte zurückgehen, mal das eigene Wohl und den eigenen Status-Erhalt im Gesamtkontext sehen.

Mal die Richtungslenker zu hinterfragen, deren Motivation und für welches Weltbild sie einstehen.

Mal zu begreifen, dass die Gesetze der Ökonomie nicht tauglich sind, nachhaltig die Geschicke der Menschheit zu bestimmen.



Aber nichts davon nehme ich um mich herum war. Sicherlich, es gibt glänzende Ausnahmen, die das eigene Wohl unterordnen -im Bestreben für eine bessere und gerechtere Welt.
Die Wahrheits-Suchenden. Die, die keine Wahrheit verkünden, sondern für die Suche nach Wahrheit werben.
Die kritisch Hinterfragenden sind in Zeiten wie dieser gefordert. Die, die argumentativ ihre Finger in die Wunden unserer verfallenden Gesellschaft und Weltgemeinschaft legen. Die, die wachrütteln wollen und meist ungehört bleiben.

Die, die der allgemeinen Resignation und dem verwöhntem Desinteresse eine anzustrebende Alternative entgegenwerfen.

Denn: Wenn sich die Vernunft nicht zeitnah ihren Bann bricht, dann hat die Spezies Mensch keine positive Zukunftsprognose. Dann ist es unerheblich, ob sie aus ökologischen oder gesellschaftlichen Gründen ihren Untergang einleitet...


Nachtrag:
Wer diesem Text bis jetzt durchgehalten hat, der sei mit folgendem Link belohnt:
Essay: 'Aufruf zur Revolte' von Konstantin Wecker und Prinz Chaos II (Freitag)




Dienstag, 17. September 2013

Brainstorming: Epic Fail

Abteilung: Brain failing und epic storming

Hab den Begriff 'epic fail' heute zum ersten Male bewusst wahrgenommen.

Was mich interessiert:

Was ist für Euch der 'epic fail' der jüngsten/jüngeren Zeit?

Freitag, 13. September 2013

Steinbrück kann Punk - solange keine Inhalte hinterfragt werden

Abteilung: Ein Finger im Blätterwald

Der gestreckte Mittelfinger - eine internationale Geste, die keiner Erklärung bedarf. Nicht nur Beinfreiheit braucht der Kanzlerkandidat, auch die Finger möchte er spielen lassen.
Eigentlich ein interessanter Coup. Zu verlieren hat er ja nichts mehr, der Steinbrück.
Es wäre naiv zu glauben, dass Steinbrück das Foto (gibt es eigentlich schon T-Shirts mit dem Foto drauf?) in einem unbedachten Moment freigegeben hat. Denn Steinbrück kann auch BILD. Nicht nur Bertelsmann und Springer, er spielt momentan auf der Klaviatur ziemlicher aller Zeitungen, die von mir wahrgenommen werden.
Gerade jüngere Altersgruppen in wahlfähigen Alter mag diese Geste ansprechen. Ein nonverbales Fuck-Off in kontrastierender Gestik zur bräsigen Merkel-Raute.
Dass hat dann doch schon was progressives, oder?
Der Stinkefinger gegen die Merkel-Raute. Welch ein Wahlkampf!

Politische Inhalte? Visionen? Opposition und der fühlbare Entwurf einer alternativen Politik?

Viel zu kompliziert, langweilige Auseinandersetzung mit fachspezifischen Details!

Man sollte bei der Betrachtung dieser für Kanzlerkandidaten ach so progressive Geste nicht vergessen, dass die Inhalte Steinbrücks, für die dieser Eintritt, ein gereckter Stinkefinger gegen Arbeitslose und Hartz-IV-
Empfänger ist. Die Agenda 2010 zu verteidigen, Verfolgungsbetreuung gut zu heißen, hat dann doch nicht dem Nimbus von Freigeistern, die die Gesellschaft durchrütteln wollen, Opposition zu bestehenden Verhältnissen bieten zu wollen.

Einzig das Image zählt. Die medial transportierte Realität, die keine ist.

'Wahrheit' im Zusammenhang von politischer Willensbildung ist schon fast beängstigend. Jeder von uns (Widersprüche?) wäre überrascht, sie auszumachen. Und vor allem fremden fürchtet sich der Mensch - so ist er halt konditioniert. Wahrheit (und dessen kleinen Bruder 'Gerechtigkeit') mag ich mir von niemanden vorsetzen lassen. Beide Hürden sind zu hoch, als dass sie von einer Person übersprungen werden könnten. Aber das Streben danach - sich diesem nicht erreichbarem Idealen nähern zu wollen - das nehme ich kaum noch war... Einzelne treten dafür ein - die politische Kaste scheint aber gänzlich befreut von diesen Intensionen zu sein. Spätestes in der Regierungsverantwortung...

Zurück zu Steinbrücks freigegebenem Gestus:
Letztendlich ist dieser Stinkefinger gegen die Wählerschaft gerichtet. Gegen die, die sich eine wirklich sozialdemokratische Politik herbeisehnen. Denn, hat sich jemals Steinbrück von der Deregulierung des Spekulationswesens während seiner Zeit als Finanzminister distanziert?

Diese Geste mag, so hoffe ich immer noch naiv, nicht von den Inhalten ablenken, die sich nur marginal von der CDU unterscheiden. Links blinken und rechts abbiegen, dass kennen wir schon von Schröder.
Fool me once, shame on you! Fool me twice, shame on me!

Einen Stinkefinger zurück, Herr Steinbrück!

Da ist sogar die buddhistisch anmutende Raute der Kanzlerin authentischer.
Ich hasse es, Sätze wie diesen schreiben zu müssen...


Donnerstag, 12. September 2013

Das Kreuzchen zum Statuserhalt

Abteilung: Stimmen, die gehört und die gegeben werden

Egoisten, die wir sind, werden wir übernächsten Sonntag unsere Kreuzchen da machen, wo wie unsere Interessen am besten vertreten fühlen. Solidarität mit Schwächeren ist sowas von out, kostet nur, nimmt die Butter vom eigenen Brot.
Es werden, meiner Einschätzung nach, aber nicht die Parteien gewählt werden, die die Interessen des einzelnen Wählenden jeweils am besten vertreten, sondern die, die VORGEBEN die eigenen Interessen zu vertreten.

Schließlich ist das Gefüge unserer Gesellschaft sehr brüchig, man fällt schnell sehr tief und selten nach oben. Da sei das Kreuzchen mit Bedacht platziert um den eigenen Status Quo möglichst zu erhalten.

Hier also mein persönlicher, nicht interaktiver Wahlomat:

CDU:
Deutschland geht es gut. Wir sind gut aus der Krise gekommen und haben viele in Beschäftigung halten können. Arbeit ist ein Wert in sich. Es ist erst einmal zweitrangig unter welchen Bedingungen gearbeitet wird. Wenn die Vollzeittätigkeit nicht zum Leben reicht, dann wird gerne auf Hartz IV Niveau aufgestockt. Die CDU sind ja keine Unmenschen und sind ja nicht umsonst eine christliche Partei.
Hartz IV muss niedrig gehalten werden, damit der Arbeitsanreiz erhalten bleibt. Wer keiner Erwerbstätigkeit nachgeht hat nicht genug Anreize eine Arbeitsverhältnis einzugehen. Je niedriger der Hartz-IV-Satz umso größer die Anreize.
Besser eine schlecht bezahlte Beschäftigung als gar keine.

Schmarotzer gibt es aber nicht nur innerhalb deutscher Grenzen, sondern auch in der EU. Gerade im Süden dieser Währungsunion haben viele über ihre Verhältnisse gelebt. Gerade die Griechen tuen so, als gäbe es keinen globalen Wettbewerbsdruck. Schlürfen Ouzo und machen sich nen Lenz. Durch die Austeritätsdoktrin der Kanzlerin wird Griechenland wettbewerbsfähiger.

Wer also einen Job hat und keine Lust hat, Schwächere (Faule) durch Abgaben zu unterstützen, der ist bei der CDU goldrichtig. Hartz IV-Empfänger und die Südländer sind faul. Die CDU wird denen mit der Kraft Eurer Stimmen schon die Leviten lesen!
Auch die Demokratie muss sich an die Wirklichkeit anpassen! Eine marktkonforme Demokratie muss endlich in unseren Köpfen ankommen um Deutschland weiterhin als Wirtschaftsstandort zu erhalten!
Die erfolgreiche Regierungsarbeit muss fortgesetzt werden!

SPD:
Wir hatten den Mut, die Agenda 2010 durchzusetzen! Gegen den Widerstand der Bevölkerung. Das fiel nicht leicht, aber es war notwendig um die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Die SPD ist und war sich der Verantwortung gegenüber wirtschaftlicher Sachzwänge bewusst. Sogar von CDU und FDP wurden wir dafür gelobt! Wir sind keine linken Spinner, wir sind regierungsfähig! Deshalb werden wir auch nicht mit den linken Zecken, wie die LINKE koalieren. Wäre ja noch schöner! Dann lieber, wenn es denn sein muss, als Koalitionspartner mit der CDU. Da würden wir dann unsere soziale Gerechtigkeit durchsetzen.
Brauchen wir aber nicht. Rot-Grün wird die Mehrheit stellen. Kurz vor der Wahl werden die Menschen endlich begreifen, das die Agenda 2010 toll ist und soziale Gerechtigkeit nur durch die SPD umgesetzt werden kann.

DIE GRÜNEN:
Wir treten für Nachhaltigkeit ein. Die Nachhaltigkeit einer Regierungsverantwortung. Wir tragen alle Regierungskoalitionen mit. Wer uns wählt, wählt ein reines Gewissen. Wir haben uns der Fundamentalisten entledigt. Wir beugen uns Sachzwängen, wenn es notwendig ist. Wir sind schließlich gereift und wissen, wie der Politkbetrieb funktioniert. Wer einen Mehrheitsbeschaffer mit moralischer Legitimation braucht, wählt uns!

DIE LINKE:
Wir sind die Partei, die von der Zeit überholt wurden. Tut uns leid! Wir sind so altmodisch, dass man uns schon fast konservativ schimpfen könnte.
Wir sind gegen militärische Interventionen, weil wir glauben, dass Gewalt nicht Gewalt bekämpfen kann.
Wir lehnen Krieg als politische Intervention ab.

Wir wollen die Verteilung von arm zu reich stoppen, ja sogar umkehren.

Wir sind uns bewusst, das dies total altmodisch ist, und nicht dem Zeitgeist folgt.

Deshalb wundern wir uns auch nicht, dass Rot-Grün nicht mit uns koalieren will. Um Ziele umzusetzen zu können, die sie vorgeben umsetzen zu wollen.

FDP:
Der Markt regelt das!  Und alles andere regelt der Markt..
Liberalismus heißt Freiheit der Marktkräfte.
Mehr Netto vom Brutto!
Wer die sozialistischen Vaterlandsverräter verhindern will, der wählt die FDP!

Dienstag, 10. September 2013

In eigener Sache: Kommentare werden von nun an moderiert

Abteilung: Spacken-Abwehr

Leider sehe ich mich gezwungen eingehende Kommentare erst nach Freischaltung zu veröffentlichen.

In der Vergangenheit brauchte es das nicht, aber statistisch gesehen war dieser Schritt wohl nur eine Frage der Zeit.

Das Internet bildet nun mal die menschliche Umwelt ab und da bleibt es nicht aus, über Menschen zu stolpern mit denen ich nichts zu tun, und, ab einem gewissen Zeitpunkt mich auch nicht mehr auseinandersetzen will.
Und für deren Rotz ich hier kein Forum bereitstellen will.

Hoffe, die 99%, die nicht auf Krawall aus sind, verstehen das.

Grüße, Euer Duderich

P.S.: Wenn man mir lediglich was stecken will, dies aber nicht gepostet werden soll - dies bitte erwähnen.

Guaia Guaia!

Abteilung: Berufswunsch Terrorist

Nachfolgend ein, wie ich finde, geiles Stück Musik, welches die Kraft hat den eigenen faulen Arsch vom Sofa zu erheben und wackeln zu lassen (so war es zumindest bei mir).



Die beiden sympatischen Jungs sind übrigens obdachlos (oder waren es?). Erfrischend ist für mich, dass diese beiden offensichtlich ihren Status nicht als belastend empfinden, sondern als Ausdruck einer gelebten Freiheit. Nichts liegt mir ferner, als das Schicksal der Obdachlosigkeit zu relativieren oder zu verharmlosen.

Die Allerallermeisten leiden unter diesem Schicksal. Haben einen tiefen Sturz hinter sich.

Diese beiden Jungs aber, so scheint es mir zumindest (ich mag mich irren) leben einen Anarchismus, und scheinen Energie und Kreativität daraus zu ziehen.

Ich kenne sie nur über Youtube. Das, was ich gesehen habe, bildet zwei glückliche Menschen ab, die mit sich im reinen sind und ihr Ding durchziehen. Ihr Leben leben und dabei Spaß haben. Ich kann nicht hinter den Vorhang schauen - ich hoffe einfach, dass es so ist.

Lebensfreude, abseits von Konsum und fragwürdiger Sicherheit. Ich möchte gerne, Sozialromantiker der ich bin, daran glauben, dass hier die Form eines Gegenmodells zu unserer Gesellschaft gelebt wird.

Dieses Abseits unserer konsumorientierten Gesellschaft muss aber auf FREIWILLIGKEIT beruhen. Niemand darf darin hineingepresst werden. Solange die Randexistenz selbst gewähltes Schicksal, ja ein anarchistischer Akt ist, solange erfrischen und inspirieren die mich, die diesen Weg wählen.

Noch scheint der Ausdruck ihrer Musik nicht der Verwertbarkeit der kapitalistischen Logik zu folgen. Mag sein, dass ich mich schon hier irre, aber ich will das nicht glauben!

Wie auch immer:
Schön jedenfalls, dass Obdachlose, auf die man so gerne herabblickt, dem Opfer-Status nicht entsprechen.
Dies aber - darauf möchte ich noch einmal explizit hinweisen - ist die Ausnahme!

Die allermeisten Obdachlosen sind(!) Opfer dieser Gesellschaft. Überflüssig (sic), da nicht mehr verwertbar. Solange diese Teil dieser Gesellschaft sein wollen, solange sollte man ihnen einen Zugang gewähren!

Die Anderen aber, die dies nicht wollen - von denen sollten wir eine Gesellschaftskritik ableiten, mit der wir uns auseinandersetzen sollten...

http://www.youtube.com/watch?v=-aMZX2c3uXc
http://www.youtube.com/watch?v=EMqAMu0XZbQ

Freitag, 6. September 2013

Zitat des Tages

"[...] Sie haben Angst vor unserer Dummheit und fürchten gleichzeitig unser Mitdenken und Abwägen. Sie fürchten unser Handeln. Sie fürchten, dass wir uns erheben und die gegebene Ordnung stören.


Denn wir sind Wähler, Konsumenten oder Arbeitnehmer, wir setzen Kreuzchen, kaufen ein, zahlen Steuern, nehmen Arbeit von unseren Arbeitgebern entgegen. Wir sind die Lämmer die zur Schlachtbank laufen. Keiner fragt uns. Wir stellen keine Fragen. Unsere Haltung interessiert nicht, interessierte noch nie. Zum Führen werden andere geboren. 'Wo immer eine überlegene Klasse vorhanden ist, rührt ein großer Teil der Moral des Landes von ihren Sonderinteressen her und von den Gefühlen der Klassenüberlegenheit.' [...]"

Quelle: Freitag "Selbstanzeige eines Verantwortungslosen" (Sebastian Gasde)

... auch der Rest des Textes ist grandios - wie ich finde.

Mittwoch, 4. September 2013

Mein Weltschmerz

Abteilung: Warum soll ich Solidarität empfinden, wenn ich sie selbst nicht brauche?

Wenn man mich fragen würde, was mich persönlich am meisten frustriert, dann ist es die Ich-Bezogenheit der Menschen um mich herum. Sie bestimmt die Politik (beispielsweise den hiesigen und aktuellen Wahlkampf dieser Republik), unsere Gesellschaft, das Wertgefüge, ja die Stoßrichtung der Menschheit, wie ich sie wahrnehme.
Sicher, auch ich bin jemand, der auf seine Vorteile bedacht ist und der Vorwurf des 'Gutmenschentums' drängt sich - das ist mir bewusst - zwingend auf.
Ich will mich aber gar nicht finger-zeigend auf eine Kanzel erheben - als der fehlbare Sünder, der ich unzweifelhaft bin.

Trotzdem muss ich feststellen, dass die hiesige Politik (wir haben Wahlkampf hier), die europäische Politik und auch die 'Weltpolitik', die weitestgehend von der Weltmacht USA bestimmt wird, auf die niederen Instinkte der eigenen Interessen zielt - und dies mit unbestreitbarem Erfolg, dessen Währung die Zustimmung, oder zumindest die der stillschweigende Akzeptanz ist..
Kurioserweise aber werden letztendlich die Parteien gewählt, die den eigenen Interessen zuwiderlaufen und die einer elitären Minderheit dienen, die der Reichtumsverteilung von Unten nach Oben dienen.
Man möge mir diesen Umstand bitte zu erklären versuchen - ich selbst begreife ihn nicht.

Sicherlich, es gibt viele Ausnahmen (jede davon  nehme ich mit zutiefst empfundenen Wohlgefallen war), die sich für Interessen einsetzen, die nicht die ihren sind, ja die sich sogar für Interessen einsetzen, die den eigenen zuwiderlaufen. Sie leuchten hell, diese Beispiele, inspirieren mich und lassen mich noch an das 'Gute' glauben.

Es gibt und gab viele Menschen, die ihre eigene Befindlichkeit höherer Werte unterordneten. In der Vergangenheit bezahlten viele mit ihrem Leben damit, heute mit ihrer Freiheit und ihrer Existenz.
Heuer wird niemand mehr erschossen, weil er Systemkritik übt und diese auch lebt. Aber es gibt viele sog. 'Kollateralschäden' die der Aufrechterhaltung bestehender Besitzverhältnisse dienen. Ob durch Hungertod, Drohnenangriffe oder anderer militärischer Interventionen. Hinzuzufügen ist die Folterung Rechtloser und der Freiheitsentzug derer, die Fakten, zuwiderlaufend der politischen/ideologischen Doktrin, zugänglich machen.

Was mir fehlt - und wofür ich werben möchte - ist die Solidarität mit denen Menschen, deren Schicksal nicht unmittelbar mit dem eigenen verknüpft ist. Aus einer Warte heraus, die nicht nur dem eigenen Wohl verhaftet ist, sondern die auch Interessen vertritt, die für die eigenen, persönlichen Belange mittelbar nicht von Relevanz ist, oder diesen sogar partiell widerspricht - aber dem Allgemeinwohl, oder noch abgehobener, der Humanität dient.

Es ist bspw. frustrierend wahrzunehmen, dass gegen die lokale Aufnahme von Kriegsflüchtlingen demonstriert wird, weil die individuelle Angst vor Überfremdung das eigene Handeln dominiert.

Windenergie? Toll, aber bitte nicht in meiner Nähe!

Kindergärten und Spielplätze? Super, aber bitte nicht in Hörweite.

Armut in Europa und anderswo?
Interessiert nicht wo das Geld hinfließt, und bei wem es ankommt (Gläubiger/Banken/Spekulanten) und ob es der Bekämpfung der Armut dient - es interessiert nur, dass es uns entzogen wird.

Wäre schön, wenn wir Solidarität denen gegenüber empfinden würden, denen es schlechter geht als uns. Ob national, europäisch, oder global.
Mag sein, dass wir selbst irgendwann auf die Solidarität von anderen angewiesen sind. Es ist zu hoffen, dass wir diese dann auch mit gutem Gewissen einfordern könnten.

Resümee / worum es mir geht:

Eben nicht nur Studenten sollten gegen Bafög-Kürzungen auf die Straße gehen. Nicht nur Rentner gegen Rentenkürzungen.
Und nicht nur Benachteiligte, Abgehängte DIE LINKE wählen.

Ich werbe dafür, auch außerhalb der eigenen Gemeinde, außerhalb des Nationalstaates, außerhalb des eigenen Kontinentes (und Währungsgemeinschaft) für übergeordnete, humanistische Werte einzustehen.

Denn: Auch wenn man für Werte einsteht, die die eigene Existenz (noch) nicht berühren  Auf welche Solidarität will man denn hoffen, die man als vermeintlich Unbeteiligter gerade selbst nicht empfindet?