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Donnerstag, 31. Dezember 2015

Eine coole Sau weniger

Abteilung: Kniefall

Ich finde (momentan) keine Worte, zu dem ganzen Scheiß, der auf dieser Welt abgeht.
Und jetzt poste ich hier einen Nachruf an Lemmy. Ich, der es eigentlich verabscheut, überhaupt Idole zu haben.

Meine erste Platte war 'Albatros' von Fleetwood Mac.
Meine 2. Platte war 'No sleep till Hammersmith'. Meine Mutter schenkte sie mir, weil sie mit einer Freundin unterwegs war, die die gleiche Platte ihrem Sohn schenkte. "Das hören die jungen Leute jetzt so." soll sie gesagt haben.

Ich kann es kaum beschreiben, was in mir vorging, als ich diese Platte zum ersten Mal hörte.
Diese Scheibe hat mir in den Arsch getreten. Mit Anlauf!

Seit diesem Initial-Ereignis bin ich Motörhead immer treuer geblieben.
Vielmehr Lemmy.
Seit Bukowski tot ist (der letzte Todesfall, der mich ähnlich berührt hatte) war Lemmy die erste Wahl mit jemanden die Nacht durchzuzechen.
Nicht weil er eine Ikone war, sondern einfach, weil er die letzte coole Sau auf dem Planeten war.
Neben Snowden, aber mit gänzlichen anderen Habitus.

Ein Typ, der Patronengurte trägt, der Nazi-Krimskrams sammelt, den könnte ich eigentlich nicht ernst nehmen.

Lemmy betete ich an. Der durfte alles.

Wer jemals Interviews mit ihm gelesen hat, der weiß:
Ihm war es letztendlich egal, was andere von ihm hielten.
Und die, die ihn kannten, die hielten (und halten) sehr viel von ihm.
Jenseits des Startums.
Er bestach auch durch Menschlichkeit, blieb irgendwie bodenständig, blieb irgendwie einfach er selbst, trotz des Erfolges der über ihm einbrandete.

Ich werde zum Neujahrsanfang auf ihn anstoßen.
Mit Whiskey, wie es sich gehört.
Okay, er ist auf Wodka umgestiegen.
Aber Lemmy ist der Whiskey-Typ.

Cheers, Lemmy!

EDIT: Freunde, die Abschied nehmen



Wer dem Menschen hinter der Legende gedenken möchte sei diese Doku empfohlen...

P.S.: Guten Rutsch!

Samstag, 5. Dezember 2015

Ein Loblied auf Sahra

Abteilung: Pazifismus als Alleinstellungsmerkmal des >linken Randes<
In der Schrottpresse bin ich auf ein Video von Sahra Wagenknecht gestossen. Dort spricht sie zu 100% aus, was ich zu diesem Bundestagsbeschluss denke.
(Nebenbei: Der verlinkte Blogger-Kollege in seinem Beitrag auch.)
Nein, ich bin nicht blind und folge einem politischen Idol. Ich hinterfrage kritisch alles, was ich sehe, höre, lese.
Aber für alles, was sie in diesem Video sagt, da schreib ich meinen Namen drunter.
Da stehe ich für ein.
Und ich bin bereit über jede Aussage zu diskutieren, wenn jemand gegen die Inhalte dieser Rede argumentiert.

Hier also das Video, mit Gruß an die Schrottpresse:


Freitag, 4. Dezember 2015

Zitat zum Syrien-Einsatz

Abteilung: Völkerrecht - und andere Banalitäten

"Streng genommen wurde Frankreich ganz überwiegend von Franzosen angegriffen - also gerade aus dem Inneren heraus, nicht vom Ausland. Wenn man es sehr überspitzt formulieren würde, müsste man sich fragen, warum die Franzosen nicht mit militärischen Mitteln in manchen der Pariser Banlieues intervenieren. Wir haben hier eben keine eindeutige, einem militärischen Angriff gleichzusetzende Aktion vom Gebiet des Staates Syrien gegen Frankreich. Das ist ein Fall für die Polizei und internationale Rechtshilfe, möglicherweise auch internationale Strafgerichte - und aber nicht für einen Militärschlag."
(Quelle: SPON)
Daniel-Erasmus Khan, 54, ist Professor für Öffentliches Recht, Europarecht und Völkerrecht an der Universität der Bundeswehr in München

Donnerstag, 19. November 2015

Ist De Maizière inkompetent? Teile dieser Antwort könnte die Bevölkerung verunsichern

Abteilung: Staatstragende Entmündigung

Ich erwarte ja wahrlich nicht viel, von dieser Kaste, die sich Politiker nennt. Wahrlich nicht. Aber die Performance, die da dilletiert wurde, ließ mich dann doch mit erschüttertem Erstaunen zurück.

Nachdem bekannt wurde, dass das Spiel abgesagt wurde gab es dann auch nur eine Frage, deren Antwort mich interessierte:
In einem Wort: WARUM?

Ich habe mir von der Pressekonferenz (PK) sicherlich keine lückenlose Aufklärung erhofft, aber was mir da geboten wurde, war lediglich eine Ansprache an unmündige Bürger, die sich mit Worthülsen abspeisen lassen.

Ich habe mir mal die Mühe gemacht, Auszüge zu transkriptieren:


[3:38]
DM:
Ich bitte um Verständnis, dass ich aus ganz grundsätzlichen Erwägungen, die Quelle und das Ausmaß des Hinweises und der Gefährdung, nicht weiter kommentieren möchte. Das würde für die Zukunft Rückschlüsse auf unser Verhalten zulassen. Das würde denkbare Hinweisgeber gegebenenfalls dazu veranlassen, keine Hinweise mehr zu geben, und beides dient nicht der nationalen Sicherheit unseres Landes. Wir alle hatten uns auf das Spiel gefreut. Das Spiel war eine besondere Geste - auch des Fußballs, der gastgebenen Stadt und des gastgebenden Landes Niedersachsen äh und Deutschlands. Es war auch eine Geste vom Nationalteam, weit über Kameradschaft und Fußball hinaus. Umso bitterer ist eine solche Entscheidung, und um so schwerer ist sie uns gefallen. Aber in einer solchen schwierigen Lage hat im Zweifel der Schutz der Menschen Vorrang. Und diesem Zweifel sind wir heute deswegen gefolgt.
(...)

Einschub vom Duderich:
Gut, okay. Folgen wir mal der Argumentation:
Sicherlich ist es nicht hilfreich Quellen als solche zu outen. Zumal, wenn man sich davon verspricht zukünftige Attentate mithilfe dieser Quelle verhindern zu können. Aber mal angenommen, die schützenswerte Quelle hätte gesagt, da und dort könnte deswegen eine Bedrohung vorliegen. Würde man in Kauf nehmen, das Menschen (uninformiert) zu Schaden kommen könnten um eine Quelle zu schützen? Die Frage müsste man (egal wie man sie für sich selbst beantworten würde) bejahen, solange kein anderes Szenario denkbar ist, welches dieses verbale Rumgeeire erklären kann.
Und, was ist mit "Das würde in Zukunft Rückschlüsse auf unser Verhalten zulassen." gemeint?
Schadet es der öffentlichen Sicherheit, wenn Terrorgruppen zu der Erkenntnis gelangen, dass die Bevölkerung vor Bedrohungen gewarnt wird?
Es sind Sätze wie diese, die man unzählig oft lesen oder hören kann, ohne dass sie irgendeinen Sinn machen. Wo bleibt der 'Qualitätsjournalismus', der solche und andere Aussagen nach Sinn oder Unsinn abklopft?

Gleich die erste freigegebene Frage dieser PK bringt das auf den Punkt, was für die Betroffenen von essenzieller Bedeutung ist:

[11:19]
Lutz Neugemann, Osnabrücker Zeitung:
Gibt es denn noch eine anhaltende Gefährdungslage, oder ist sie jetzt beendet?
DM:
Ich, ich fang gleich mal an. Wissen sie ... ich verstehe diese Frage und ich verstehe auch die folgenden Fragen die kommen werden: Was war denn genau der Hintergrund der Gefährdung? Was hätte passieren können? Wovor ... was war der Gefährdungsgrund, warum sie abgesagt wurde. Was war der zeitliche Ablauf, dass die Entscheidung nachher so klar war, die wir sie beide getroffen haben. Ich verstehe diese Fragen. Aber verstehen sie bitte, dass ich darauf keine Antworten geben möchte. Warum? Ein Teil dieser Antworten, würde die Bevölkerung verunsichern. Ein Teil dieser Antworten würde unser Verhalten in Zukunft erschweren - denn wir werden auch in Zukunft solche Entscheidungen zu treffen haben, vielleicht nicht in Hannover, sondern irgendwo anders. Ähm. Zum Teil würden auch die Aussagen, die ich jetzt machen würde, gegebenenfalls den Hinweisgeber dazu führen, dass wir demnächst keine Hinweise mehr bekommen. Das wäre auch nicht im Interesse. Ich bitte einfach die deutsche Öffentlichkeit mal um einen Vertrauensvorschuss gegenüber dem Landesminister, gegenüber mir und gegenüber den Sicherheitsbehörden. Dass wir gute gute Gründe hatten, bittere Gründe, das so zu entscheiden. Dass es aber nicht weiterhilft, die Einzelheiten so darzulegen, ähm, das, ähm, ihre verständliche Neugierde befriedigt wird, aber das Handeln für die Zukunft erschwert wird.

Einschub vom Duderich:
Eine kurze klare Frage, die noch so wortreich nicht beantwortet wurde. DM argumentiert mit Quellenschutz. Dieses Argument greift aber nicht auf die Frage, denn diese hätte man mit 'Ja' oder 'Nein' beantworten können, ohne ein Rückschluss auf die Quelle zu riskieren. 
Dies ist Musterbeispiel dafür, dass berechtigte Fragen von Mandatsträgern nicht beantwortet werden, und für die Nichtbeantwortung der Fragen braucht man dann ganze Textwüsten, die in keinem Verhältnis zu einer einzeiligen Frage stehen. Der Fragende wird, wie meist, zum Stichwortgeber degradiert.
Das schluckt unhinterfragt der 'Qualitätsjournalismus' und weitgehend unhinterfragt auch der Bürger (befürchte ich). Und das ist auch der Grund für meine Polikverdrossenheit und meiner Medienkritik.

Warum hat der Journalist nicht nachgestoßen, und bspw. gesagt:

'Herr Innenminster, Sie haben wortreich erklärt, warum sie anders geartete Fragen nicht beantworten wollen. Beantworten Sie bitte meine Frage, oder begründen Sie, warum deren Beantwortung eine Quelle gefährden oder die Einschätzung zukünftiger Terrorabwehrmaßnahmen erleichtern würde!'
(Oder so ähnlich)

Aber so eine Bullshit-Antwort bleibt im Mainstreamjournalismus unhinterfragt.
Grundsätzlich drängt sich mir sowieso spontan die Frage auf, wofür wir einen Innenminister brauchen, der uns nicht darüber informieren will, ob eine Gefährdungslage besteht oder nicht.

Ist es denn kein Offenbarungseid, wenn der Minister für innere Sicherheit die Beantwortung der Frage verweigert, ob Teile der Bevölkerung (noch) gefährdet sind?
Und müssen wir vom stammelnden Innenminister vor Erkenntnissen beschützt werden, weil sie uns verunsichern könnten? Für wie unmündig muss dieser Mensch uns halten?
Verunsichert werde ich genau dann, wenn man mir etwas verschweigt, um mich nicht zu verunsichern. Und das auch noch ausspricht.

Es ist so grotesk und ich habe (Quelle leider nicht nicht mehr auffindbar) im Internet folgenden Joke dazu gelesen:

Frau: Findest Du, dass ich in diesem Kleid dick aussehe?
Mann: Teile dieser Antwort könnten Dich verunsichern.



Falscher Mann am falschen Platz. Passt.
Fügt sich gut ein, in das Gesamtszenario...

P.S.:
Aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen läßt sich das Video der PK hier nicht einbinden sondern lediglich verlinken:

 https://www.youtube.com/watch?v=ltWMA4emq_8

Hier die erhellendere alternative Pressekonferenz eines weitaus kompetenter anmutenden Innenministernachfolgeraspiranten:

http://www.welt.de/kultur/article148968922/Videobotschaft-von-Helge-Schneider-nach-Absage-seiner-Lesung.html

Montag, 16. November 2015

Der Solidaritätstaumel

Abteilung: Wir sind gleicher! (George Orwell) 

Ich habe weniger Angst einem terroristischem Attentat zum Opfer zu fallen, als vielmehr Angst vor der politischen Reaktion auf terroristische Anschläge. Das sei mal vorweg geschoben.

Und ja, selbstverständlich trauere auch ich um die unschuldigen Opfer des jüngsten Terroranschlages (ich befürchte, es wird nicht der letzte bleiben). Unfassbares Leid wurde angerichtet, gar keine Frage.

Und es ist auch schön, mit zu bekommen, dass dies eine riesige Solidaritätswelle ausgelöst hat:
Kerzenmeere, tricolor angeleuchtete Wahrzeichnen, Schweigeminuten.

Europa rückt zusammen.

Und genau da liegt das Problem.

Denn dieses Zusammenrücken impliziert leider auch Ausgrenzung. Es beinhaltet ein 'Wir-Gefühl' welches nicht zu empfinden ist, wenn man nicht ein 'Die Anderen'-Gefühl hat.

Aber 'Die Anderen', das ist nicht nur der IS. Das sind Muslime, das sind Andersgläubige.
Das Fremde, Unbekannte, wird immer mehr das Bedrohende, gegen dass es sich zu wehren gilt.

Und das kommt bekannt vor...

In der sogenannten westlichen Wertegemeinschaft wird zusammengerückt, aus sicherlich gut gemeinter Solidarität. Aber, dadurch werden auch mentale Grenzwälle hochgezogen.

Den Westen bedroht keine feindliche Macht, die uns den Gefallen erweist, sich qua Uniform oder territorial als Feind zu präsentieren.

Aber es wird wieder Mal ein Krieg ausgerufen. Als hätte 9/11 und die Reaktion darauf (war against terror) nicht die Erkenntnis beschert, dass militärische Interventionen gegen den 'Feind', den Terrorismus, nicht eindämmt, sondern beflügelt.
Die Wurzel des fanatischen Extremismusses kann nicht weggebombt werden. Man erzeugt nur Märtyrer, deren Lücke x-fach geschlossen wird.
Wir versuchen immer noch (wider besserer Erkenntnis), der Hydra Köpfe abzuschlagen, die doppelt und dreifach nachwachsen.

Die Reaktion auf die Attentate wird sein, dass genau jenes, was uns (noch?) von ideologisch fehlgeleiteten Denkweisen unterscheidet, minimiert wird.
Mehr Überwachung (gut, okay, blöder Witz), weniger persönliche Freiheitsrechte; letztendlich ein Offenbarungseid gegenüber der Aufklärung und zurückliegenden Kriegserfahrungen - und nicht zu vergessen - der Vernunft.

Der 'Krieg' gegen den Terror, gegen den IS, wird niemals erfolgreich sein können, wenn wir dem Terror nicht Vernunft und Humunität entgegen setzen.
Denn, wollen wir dem Terrorismus begegnen, indem wir immer mehr unsere Freiheitsrechte einschränken (lassen)?
Kann dies die Antwort sein?


Taliban, al Qaida, IS.
Selbst wenn der IS irgendwie ausgebombt werden könnte (selbstverständlich ohne Bodentruppen) wächst die nächste Terror-Organisation nach.
An neuen Attentätern wird es keinen Mangel geben, solange Kollateralschäden an unschuldigen Opfern zu beklagen sind - und achselzuckend hingenommen werden (sind ja keine Europäer).

Wäre schön (so mein naiver Wunsch) wenn Solidarität nicht nur in unserer sogenannten 'westlichen Wertegemeinschaft' fußen würde, sondern weltweit.
Und wir aufgeklärten, liberalen, demokratischen und humanistischen Menschen müssten doch langsam mal erkennen, dass jedes(!) Leben kostbar ist.

Auch wenn sie (gefühlt) ganz weit weg sind.

Nein, in dieser globalisierten Welt, kommen die Opfer unseres Wohlstandes zu uns.

Und das ist verdammt gut so!
Mag unbequem sein, aber das ist nur fair und die Konsequenz unseres imperativen Handels.

Terror, Klimawandel, ungerechte Verteilung des Reichtums, ökologischer Raubbau.

Aber nein, wir sind nicht schuld. Wir sind doch lediglich mitlaufende Nutznießer.

Aber betrauen die Toten (in Europa, in Frankreich, in Paris).
Nur nicht ebenso die, die anderswo weitaus zahlreicher und ebenso unrecht ihr Leben verlieren.

Denn es ist nicht weniger schlimm, wenn irgendwo ein Kind verhungert. Wenn Menschen in überfüllten Schleuser-Kähnen ertrinken. Oder unschuldig durch Drohnen gekillt oder in Guantanamo gefoltert werden.
Oder in Saudi-Arabien (zu denen wir Deutschen gute Wirtschaftsbeziehungen pflegen) ausgepeischt und gesteinigt werden.

Wo, bleibt die Solidarität zu den zahllosen anderen Toten und Gefolterteten?
Wo bleibt da der Aufschrei?

Wer trauert und solidarisiert sich hier?

Wer sind wir?

Sind wir ausschließlich Europäer, oder nicht auch Erdenbürger?

Montag, 28. September 2015

Der Kapitalismus ist alternativlos

Abteilung: TINA mit Currywurstgeschmack

Der Kapitalismus ist immer und überall.
Die letzten, noch verstreuten 'native people' werden durch den Kapitalismus bedroht. Das war schon früher so (als Beispiel sei die amerikanische Urbevölkerung genannt), und das wird auch in Zukunft so sein. Bis es keine native people mehr geben wird.
Niemanden, außerhalb kapitalistisch geprägter Strukturen.
Es ist nicht pessimistisch, sondern realistisch, dass indigene Völker (die u.A. noch im brasilianischen Urwald zu finden sind) in 50-100 Jahren nicht mehr existieren. Unzählige Tierarten werden bis dahin ausgerottet sein.
Solange sich nachhaltige, oft irreversible Umweltzerstörung ökonomisch rechnen lässt, wird diese auch praktiziert werden.
Wenn der Mensch eine Lebensspanne von, sagen wir, 300 Jahren hätte, würden auch Magnaten möglicherweise andere Entscheidungen treffen.
Aber, so?

(...)

Gibt es Alternativen zu einer kapitalistischen Lebensführung?
Kann ich mich heute noch dem kapitalistischen System gänzlich entziehen?
Eine Alternative, außerhalb kapitalistischer Strukturen leben?
Blockhütte, angeln, jagen und Gemüse anbauen?
Wo sind die autarken Kommunen, denen man sich anschließen kann?
Wo ist das Leben, in einer wählbaren Alternative (nicht wählbar durch Wahlzettel, sondern durch plumpe Entscheidung), in der man kein Giro-Konto braucht?
Keine Lohnarbeit?

Was muss ich tun, um eine lebbare Alternative herbeizuführen, oder zumindest wahrscheinlicher zu machen?
Fair Trade, BIO, veganes Leben, sogar solidarisches Spendenverhalten wurden längst von kapitalistischen Strukuren vereinnahmt. Auch damit werden riesige Gewinne eingefahren, weil es dafür einen MARKT gibt. Und, wo es einen Markt gibt, gibt es immer Profiteure.

Alleine, die Verteilungsrichtung von 'Arm' zu 'Reich' umkehren zu wollen, mutet in der heutigen Zeit wahlweise naiv oder linksextrem an.

Aber selbst mit linker Gesinnungshaltung lässt sich noch eine Menge Geld verdienen!
Wieviel Geld alleine mit der ikonischen Darstellung von 'Che' verdient wurde, mag ich mir gar nicht auszumalen...

(...)

Was zu der Frage führt:
Läßt sich der Kapitalismus aus dem Weltgefüge herausschneiden? Läßt sich eine Gesellschaft konstruieren, in der Besitz nicht in Macht (Einflußmöglichkeiten) mündet?
Das sind elementare Fragen, die leider (für mich) noch nicht zufriedenstellend beantwortet wurden.

Deshalb ist das kapitalistische System 'alternativlos' - schlicht, weil es keine nachvollziehbare, lebbare Alternative gibt.

Eine Vermögenssteuer, Transaktionssteuer, gerechtere Erbschaftssteuer besiegt ja nicht den Kapitalismus.

Ich werde auf absehbare Zeit weiterhin die LINKEN wählen. Aber selbst, wenn diese die absolute Mehrheit erlangen sollten:
Es würde höchstens um justierbare Stellschrauben gehen, aber nie den Anspruch haben, den K. bzw. Machtstrukturen abzuschaffen (ohne sie durch andere zu ersetzen).

Deshalb:
Der Kapitalismus ist alternativlos!

Und jetzt kommt mir bloß nicht mit Revolution!
Erstens wird (zumindest hierzulande) keine 'kritische Masse' in dieser weitgehend medial gleichgeschalteten Bevölkerung rekrutierbar sein.
Und zweitens, selbst wenn, wird der inthronisierte neue Weltenlenker auch nicht den Kapitalismus abschaffen. Da halte ich jede Wette!

Ich will hier keinen Trübsinn verbreiten! Auch keine Hoffnungen zerstören, oder klein reden.
Eine Alternative aber würde 'Opfer' verlangen.
Es ist konstruiert, aber trotzdem:
Wieviele, gerade junge Menschen, wären bereit (auch nur) auf ihr Handy zu verzichten, für eine bessere Welt auf fernen Kontinenten?

(...)

Wie sieht Euer Utopia aus?
Und was können wir tun, um dieses mit realistischem Anspruch anzubahnen?
Wie sieht das Konstrukt Eurer Hoffnung aus; wie wahrscheinlich ist dessen eintreten?

Das sind ganz viele offene Fragen, auf deren Antwort ich gespannt bin!

P.S.: Bei der Entscheidungsfindung pro und contra Kapitalismus gebe ich zu bedenken:
Ausschließlich der Kapitalismus kann das perfekte Getränk verfügbar machen, um seine Pommes runter zu spülen:

Foto wurde von mir selbst geschossen, ist also Teil meiner Erfahrungswelt.

Montag, 21. September 2015

Apokalypsen, und andere Katastrophen

Abteilung: Ein Serienjunkie erklärt die Welt

"wie freiheit beispielsweise aussehen könnte, beschreibt John Rawls:
alles zurück auf anfang: keiner hat was, keiner kann was. dann werden die spielregeln für die gesellschaft festgelegt. und zwar BEVOR jeder weiß, welcher platz der seine sein wird.
nur wenn ich nicht weiß, ob ich später sklavenhalter oder sklave sein werde, werde ich mich für gerechte regeln und maximale freiheit einsetzen."

(Don M. Tingly)


Diese Worte hallen bei mir nach, und ich möchte meine Gedanken dazu, nachfolgend zur Diskussion stellen.

Dieses Szenario ist wohl eher akademischer Natur. Ausschließlich eine Apokalypse, die die Menschheit auf höchstens 1 Promille reduzieren würde, ließe solch ein Szenario als möglich erscheinen. 
Könnte mir gut vorstellen, dass Zombie-Filme, und im aktuellen Fall auch -Serien, sich deshalb so großer Beliebtheit erfreuen...

Könnte solch ein Szenario sich auch über demokratische Willensäußerung herbeiwählen lassen?
Ich denke, ich kann die Frage verneinen, ohne mich dadurch dem Verdacht einer antidemokratischen Haltung aussetzen zu müssen (ausschließen kann ich das aber mittlerweile auch nicht mehr).

Revolution?
Das entstehende Machtvakuum würde rasant schnell wieder gefüllt werden. Und gerade die Machthabenden (egal welcher Coleur) haben naturgemäß ein Problem damit, Machtstrukturen auflösen zu wollen.
Und nach keiner Revolution hatte die Bevölkerung auch nur ansatzweise egale ökonomische Mittel:
Reich blieb reich und arm blieb arm.



Oben genanntes Szenario ist nicht denkbar mit irgendeiner Währung. Denn selbst bei gleich verteilten Geldmitteln, würde diese nach 10 Generationen nicht mehr so gleich verteilt sein. Und dieses Ungleichgewicht der monetären Verteilung würde sich dann auch korrespondierend dazu im Hierarchie-/Machtgefüge ausdrücken.

Die Auflösung einer anerkannten Währung ist tatsächlich nur in in einem apokalyptischen Szenario vorstellbar. Und auch diese Apokalypse müßte derart gestaltet sein, dass bestehende Besitz- und Machtverhältnisse keinen Einfluß auf die eigene Mortalitätsrate haben würden. 
Damit scheidet z.B. ein Atomkrieg aus. 
Es gibt zahlreiche Bunker - aber wer würde da wohl reinkommen?
Obama, z.B.
Putin auch.
Mutter Merkel müsste sich vor einem Atompils auch nicht unter dem Bett verstecken.
Milliardäre werden sich auch einen leisten (können), oder in der Lage sein, sich Zugang in andere zu verschaffen.

Wie groß wäre aber die Chance, dass Lieschen Müller Eintritt erhalten würde?

Tatsächlich würde nur eine biologische Katastrophe (bakteriell oder viral) eine Dezimierung der Menschheit auslösen, vor der Geld/Macht nicht schützen kann (vorausgesetzt es gibt keine erwerbbaren Medikamente dagegen).

Und tatsächlich bin ich ein Fan der Serie "The Walking Dead"
Nicht weil ich auf Zombies stehe, sondern wegen der soziologischen Fragestellung: 
Wie organisieren sich Kleingruppen, nach Zusammenbruch einer Gesellschaft und einer akzeptieren Währung? Wie reagieren diese auf andere organisierte Kleingruppen (für mich eine verkürzte Beschreibung von Anarchie)?
Auch 'Lost' hat diese Serie nicht zuletzt wegen diesem Aspekt, für mich spannend gemacht. 
Der Kult-Roman "Herr der Fliegen" befasst sich genau mit diesen Fragestellungen.

Selbstverständlich kristallisieren sich auch in diesen Szenarien Machtstrukturen heraus. 
Und die damit einhergehende Konkurrenz an Macht. 
Seit der Wiege der Menschheit ist das so.

Ich halte Gleichheit für ein anzustrebendes Ideal, welches zumindest längerfristig nie erreicht werden kann.

Anspruch muss sein, Ungleichheiten (die ja schon qua Natur gegeben sind) in möglichst großen Maße zu minimieren, auszugleichen.

Dagegen werden sich - die, wie auch immer Privilegierten - aber immer wehren wollen. Und diese haben naturgemäß auch immer den größeren Einfluß...

Ein Dilemma! 

Habe ich etwas übersehen, bzw. falsch interpretiert?

Gibt es einen Ausweg?

Ich gebe es zu.
Ich bin verstört.

Denn ich weiß nicht, auf was ich hoffen soll, damit die Welt gerechter wird.

Montag, 14. September 2015

Charlie und die 'wahren Linken'

Abteilung: Die 'Premium-Linken' und deren hochgehaltene Stöckchen über die ich nicht springen möchte

Charlie hat einen Kommentar zu meinem letzten Post verfasst. Er hat sich wohl gedacht, dass dieser Kommentar zu schade ist, um auf meiner Seite zu verrotten. Also machte er auf seiner Seite einen eigenen Post dazu. Vollkommen legitim für mich, aber doch Grund genug, nachfolgend darauf zu reagieren.

Ich empfinde den infantilen Spruch "Links gegen links" in diesem Zusammenhang ebenfalls (wie altautonomer) als überdeutlichen und völlig unangebrachten Vorwurf des "Spaltens", der keineswegs neu ist, sondern seit geraumer Zeit aus gewissen Kreisen immer wieder zu vernehmen ist. Das macht ihn nicht sinnvoller.

Charlie bezog sich hier auf folgendes Zitat von mir:
"Links gegen Links. Da wird natürlich direkt mal wieder verbal aufgerüstet. Traurig."

Nun, ich vertrete tatsächlich die These, dass der Linke, des Linken größter Feind ist. Da gibt es nämlich die Premium-Linken, die anderen Linken vorschreiben wollen, welche Bücher sie zu lesen haben, ob sie Fleisch essen dürfen oder nicht, ob sie wählen MÜSSEN oder nicht wählen DÜRFEN, undsoweiter undsofort.
Das meine ich mit 'Links gegen Links'. Man kann diese Ansicht teilen, muss man aber nicht. Warum diese Wahrnehmung aber ausgerechnet 'infantil' sein soll, bleibt uns Charlie schuldig. Aber dem Verfasser reicht dieser Verdict noch nicht. Er sieht darin den 'überdeutlichen und völlig unangebrachten Vorwurf des "Spaltens" '
Nicht das ich das Wort jemals gebraucht hätte (oder auch nur gedacht hätte), nein, Charlie liest das Wort aus obigen Zitat einfach heraus (bzw. folgt altautomers Interpretation).
Es ist schlicht schäbig, mir dies zu unterstellen. Aber vermutlich reichten meine Ausführungen nicht aus, um genügend Angriffsfläche zu bieten.
Jetzt habe ich in seiner Argumentationslinie bereits den Vorwurf des Spalters also zumindest mal angedeutet. Soso. Dass dieser Vorwurf (den ich weder geschrieben, noch jemals gemeint habe) "seit geraumer Zeit aus gewissen Kreisen immer wieder zu vernehmen ist, macht diesen nicht sinnvoller". Nun, es macht ihn auch nicht per se sinnloser. Wer sind den übrigens 'gewisse Kreise'?
Das bleibt der Phantasie seiner Leser überlassen: Antisemiten? Verschwörungstheoretiker? Pegida?

Hier beziehe ich ganz klar Stellung: Oben genannte Premium-Linke bezeichne ich nicht als Spalter, da ihnen das Motiv des Spaltens fehlt. Die sind einfach nur verblendet und suchen das Trennende (um sich darauf zu stürzen - wie hier anschaulich nachzuvollziehen) anstatt das Gemeinsame zu suchen um konstruktiv zu werden. Und fühlen sich dabei denen so überlegen, die einfach zu dumm sind ihre Meinung zu teilen.
Wieso? Weshalb? Warum? Man weiß es nicht...

Altauto hat eigentlich bereits alles Relevante dazu gesagt - allerdings reagierst Du darauf wiederum nur mit Abwehr und Ablehnung, ohne auf den Kern seines Kommentars einzugehen, und verlangst stattdessen gar von ihm, "inhaltlich" zum verlinkten Interview Stellung zu beziehen - obwohl Du das selber ebenfalls konsequent unterlässt. Diese üble Taktik ist eigentlich symptomatisch für eine dumme Agitation der Marke "Herr Karl" oder ähnlicher Gesellen - allerdings will ich Dir hier (im Gegensatz zum Karl-Troll) keine Absicht, sondern höchstens Unachtsamkeit unterstellen.

[Der Kommentar von altautonomer und meine Reaktion darauf kann im vorangegangenem Post nachvollzogen werden]
So jetzt wird der Herr Karl in Stellung gebracht. Aber meine Antwort auf altautonomer reicht wohl noch nicht aus, um mich mit ihm in einen Topf zu werfen. Dieser Niveau-Limbo folgt dann später.
Mir wird lediglich Unachtsamkeit unterstellt. Trotzdem ist es immer noch eine unfundierte Unterstellung. Die Tatsache, dass ich Charlies Wahrnehmung und Interpretation des Weltgefüges nicht teile, macht mich unachtsam. Hmm.

Des weiteren ist es unseriös und eigentlich ebenfalls typisch für Verschwörungsdeppen, die an die "Hohlwelt" oder "Chem-Trails" glauben, auf irgendwelche Texte, Videos bzw. Interviews zu verlinken und dabei ausschließlich und ausdrücklich auf den jeweiligen "Inhalt" zu verweisen. Dieser Inhalt gehört aber nunmal immer in einen gewissen personellen Kontext - in diesem Falle also zu den Personen Ken Jebsen und Daniele Ganser. Es ist schlicht und ergreifend sinnfrei, einzelne Passagen, Texte oder ganze Interviews aus diesem Kontext herauslösen zu wollen. Es ist ein sehr alter Hut, dass man gleich seitenweise Texte oder Textpassagen aus Büchern, Artikeln oder Reden von sehr üblen Figuren zitieren kann, die auf Anhieb "einleuchtend", "wahr" oder anderweitig positiv klingen mögen, es bei näherer Betrachtung des Kontextes aber ganz und gar nicht mehr sind.

Mittlerweile bin ich bereits unseriös, ein Verschwörungsdepp, der an 'Hohlwelt' und 'Chem-Trails' glaubt. Puh, das geht aber ganz schön schnell hier! Die Pfeile aus dem Argumentationsköcher könnten von Marvels Hawkeye kaum schneller abgeschossen werden. Einer der vielen Schmunzelpassagen in Charlies Ausführungen.
Sinnfrei ist es also, einfach mal ein Interview zu posten, ohne ein Dossier der Beteiligten beizufügen.
Ken Jebsen ist umstritten, und in meiner prophetischen Weitsicht habe ich im Eingangspost bereits folgendes geschrieben:

"[Übrigens: Ich weiß das Ken Jebsen das Publikum spaltet. Hier soll es nicht um die Person Ken Jebsen gehen, sondern, wie gesagt, um die Inhalte... wie bspw. Propaganda, Gleichschaltung und Kriegstreiberei.]"

Hätte ja wissen können, das Premium-Linke dies nicht als Intension sondern als Aufforderung begreifen, genau gegenteilig zu reagieren.

Wenn Du beispielsweise tatsächlich glaubst, dass Du einer Gestalt wie Elsässer auf die Schliche kommen kannst, indem Du einigen Minuten (oder meinetwegen auch einige Stunden) "googelst", dann bist Du weitaus naiver, als ich das für möglich gehalten habe.

Mechthild sagte, dass Ganser mit Elsässer aufgetreten ist. Sorry, aber das ist kein Grund für mich, Elsässer auf die Schliche kommen zu wollen. Selbst stundenlang googeln, wäre Dir ja anscheinend nicht ausreichend. Wie hoch ist denn das Stöckchen, welches ich überspringen muss, um ein Interview mit Ganser zu posten? Mir hat der Inhalt des Interviews gefallen. Wieviel Tage muss ich über jemanden recherchieren, um ein Interview mit ihm posten zu dürfen?
Aber überrasch mich! Bin ich einem Rechtsradikalen aufgelaufen? Oder teilt Ganser nur nicht in allen Facetten Deine Meinung und ist deshalb bäh?

Ich muss zwar auch dem Altauto ein wenig widersprechen, denn einen Satz wie "Und es ist nun mal so, dass man hinter eine einmal gewonnene, gesicherte Erkenntnis nicht mehr zurückgehen kann" kann ich nicht unwidersprochen so stehen lassen - es gibt schließlich immer die Möglichkeit, dass ein Mensch sich irgendwann eingestehen muss, sich geirrt zu haben. Das hat allerdings nichts mit einer äußerst naiven Einstellung zu tun, wie Du sie hier vertrittst: Nein, man "muss" nicht offen für alle und alles sein, und man darf bzw. MUSS sogar gewisse, "gesicherte" Überzeugungen auch vehement verteidigen, wenn man dabei auch für eventuelle Gegenargumente (sofern diese denn vorgebracht werden, was vorliegend nicht der Fall ist) offen bleibt.

Äußerst naiv bin ich auch. Begründung: Ich hätte vertreten, man muss offen für alles sein. Wann habe ich das jemals geschrieben? Du führst hier, äußerst miese Unterstellungen als Fakt an. Miese und schlecht gemachte (weil offensichtlich durchschaubare) Rabulistik. Was Dir fehlt an Angriffspunkten interpretierst Du einfach mal rein. Ich erkenne da mittlerweile einen roten Faden...

Deine 'gesicherten Überzeugungen' haben Dich offensichtlich noch nicht zu einer fairen Diskussionskultur aufschwingen lassen. Vielleicht hast Du die falschen Bücher gelesen? Vielleicht aber auch kannst Du die angelesenen Kenntnisse nicht zu etwas verweben, was eine faire Diskussionskultur ausmacht. Das nennt man dann wohl 'kognitive Dissonanz'.

Das hat nun rein gar nichts mit einem absurden "in den Block diktieren" zu tun, sondern mit persönlicher Überzeugung. Das "Diktieren" übernimmst in diesem Falle ja Du, da Du anderen eben diese Überzeugungen absprichst.

Was genau unterscheidet Dich nun von mir?

Ganser ist für mich persönlich ein sehr gutes Beispiel dafür: Vor einigen Jahren fand ich den Knaben auch noch bemerkenswert, nachdem ich sein Buch "Gladio" gelesen hatte. Ich habe ihn damals sogar zwei- oder dreimal im Blog verlinkt. Mit zunehmender Auseinandersetzung kamen mir jedoch arge Zweifel - und heute bin ich an einem Punkt angelangt, an dem mir diese Entgleisung ziemlich peinlich ist. In der Pädagogik nennt man das lapidar "Erkenntnisgewinn". Und den musst Du anderen Menschen zugestehen, auch wenn Du selber ihn vielleicht noch nicht erfahren hast.

Ach, Erkenntnisgewinne hast Du mir auch voraus! Mann, wie ich Dich beneide! Wie selbstgerecht muss man denn sein, um solche Sätze zu formulieren? Du demontierst Dich unbewusst selbst, gibst Dich der Lächerlichkeit preis, und denkst noch dabei wie erhaben Deine Ausführungen sind?

Jeder Mensch, der einigermaßen bewusst lebt und nicht nur vor sich hin vegetiert, durchlebt diesen Prozess, der oft genug mit vielerlei Irrungen, Wirrungen und auch Rückschlägen verbunden ist (ich kann davon ein langes Lied singen!). Dir könnte vielleicht der Roman "Narziss und Goldmund" von Hermann Hesse hier weiterhelfen, der mir in jungen Jahren erste, wenn auch zunächst kleine, Augen geöffnet hat. Falls Du das möchtest, schenke ich Dir das Buch.

Nee, danke! Ich suche mir meine Literatur lieber selbst aus. Da vegitiere ich liebe dummdoof vor mich hin, als Deine Literaturvorschläge anzunehmen. Einen Vorschlag auf Augenhöhe wäre ich vermutlich gerne nachgekommen. Willst Du einen Literaturvorschlag von mir? Nein? Ach so, Du bist ja bereits angekommen. Weißt alles, welche Bücher man zu lesen hat, und welchen Erkenntnisgewinn man daraus zu ziehen hat. (Gähn)

Wenn Du heute also Ken Jebsen, Daniele Ganser und meinetwegen sogar den Elsässer gut findest, ist Dir das unbenommen - dann begründe das aber bitte auch möglichst genau und lasse Dich auf eventuelle Kritik daran ein. Das hat nicht das geringste mit "Spaltung" oder "Links gegen links" zu tun, sondern ist sogar zwingend notwendig, um irgendwann überhaupt zu einer "gesicherten" Erkenntnis zu gelangen, die man vor sich selbst und anderen guten Gewissens vertreten kann und die nicht nur - wie so oft in dieser perversen, dummgehaltenen Welt - nur aus nachgeplapperten Sprechblasen besteht.

Ich habe meines Wissens noch nicht behauptet, dass ich Jebsen, Ganser, Elsässer und Co. gut finde. Ich bin kein Fan genannter Personen, aber ich nehme mir das Recht heraus, Worte von denen zu posten, wenn ich sie für publizierbar halte. Wenn ich mir einen Erkenntnisgewinn davon verspreche, jenen Ausführungen zu folgen.
Ob Du das nun gut findest, oder nicht, ist mir ehrlich gesagt, scheißegal.
Durch Deine Ausführungen hast Du Dich als Verblendeter geoutet, der nicht diskursfähig ist und nur noch sein Weltbild runterbetet. Das noch mit ziemlich rabulistischen Methoden, die Rückschlüsse auf Deinen Charakter offenbaren.
Für mich bist Du kein Linker im meinem Sinne, da Du die Deutungshoheit vorgibst und alles Abweichende ablehnst. Nichts anderes geht momentan in dem System ab, welches Du zu bekämpfen vorgibst. Für Dich bin ich auch kein Linker, aber wie gesagt, da scheiß ich drauf, weil ich Dich nicht als Instanz akzeptiere.
Ich bin durchaus kritikfähig, aber nicht einer Kritik gegenüber, die so selbstgerecht und ach so überlegen daher kommt. Mag sein, dass Du so weit über mir stehst, aber immerhin hab ich hier unten nicht so dünne Luft zum Atmen.

Links gegen Links. Sag ich doch. Allerdings hast Du damit angefangen. Ich nenne Dich nicht Spalter, Du bist einfach nur verblendet, hast ein Weltbild, welches Du unter meterdicken Bunkerwänden vergraben hast.
Ein bisschen mehr Diskursfähigkeit und der selbstkritischen Reflexion eigener erstarrter Wahrnehmung könnten helfen.
Aber, ich fürchte, Du wähnst Dich zu weit oben, bist mir doch ach so überlegen, um diesen Ratschlag anzunehmen.
Vielleicht könntest Du gar von mir etwas lernen?
Wir werden es nie erfahren.

Zum Abschluss noch Kommentare von mir und von Charlie auf seiner Seite:




Charlie hat gesagt…
Ich bin gespannt, ob Du auf das Geschriebene tatsächlich eingehst oder den Troll-Vorbildern folgst. ;-)

Der Duderich hat gesagt…
Deine Spannung kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Denn Du hast doch offensichtlich die Deutungshoheit, wer ein Troll ist und wer nicht. Diese Deutung scheint im hohen Maße davon abzuhängen, ob man Deine Meinung teilt, oder nicht.
Da ich Deine Meinung (wie ich später ausführen werde) NICHT teile, werde ich in Deiner Wahrnehmung höchstwahrscheinlich "den Troll-Vorbildern" folgen.

Charlie hat gesagt…
Ich hege keine "Deutungshoheit", sondern beziehe mich lediglich auf (anfechtbare!) Argumente. Du zeigst allerdings schon jetzt, dass Du kein Interesse an einer wirklichen Diskussion hast und Dich weder mit dem Geschriebenen, noch mit den lächerlichen "Spaltungs"-Vorwürfen näher auseinandersetzen möchtest. Damit landest Du in der gruseligen Jauchegrube des "Herrn Karl", der Dir drüben in Deinem Blog ja auch schon fleißig Beifall gespendet hat.
[Einschub: Hier wird dann doch in die Jauchegrube der Argumentation gegriffen! Schlechter geht es dann eigentlich auch nicht mehr.]
 Das ist sehr schade, überrascht mich aber auch nicht sonderlich.
Deine nachfolgenden Ausführungen interessieren mich nun nicht weiter, da Du alles Relevante bereits gesagt und Dein Unvermögen, Dich selbst kritisch zu hinterfragen, ausführlich zur Schau gestellt hast.
 Also "spalte" ich weiterhin ... und trenne rigoros das Pseudo-Linke vom Linken. Es ist nicht zu fassen, dass groteske Dummheiten immer und immer wieder wiederholt werden .. und Leute wie Du, die sich selbst als "links" bezeichnen, wirken wie immer maßgeblich daran mit. Diese Menschheit lernt es einfach nicht.
Verzweifelte Grüße!
Liebe Grüße!


Der Duderich hat gesagt…
Geil, Deine Reaktion spricht echt Bände!
Habe lediglich vorweg genommen, dass ich anderer Meinung bin als Du. Und das reicht Dir dann schon sich nicht mehr für meine Antwort zu interessieren.
Na ja, Beifall und die Bestätigung Deiner eigenen Meinung kannst Du ja dann bei anderen abholen.
Wer von uns beiden sich mal kritisch hinterfragen sollte, ist durchaus diskussionswürdig...

Das mit Herrn Karl und der Jauchegrube nehme ich Dir echt übel! Letztendlich rundet es das Bild Deiner Rabulistik aber nur nach unten ab.

P.S.: Falls Dich die Neugierde dann doch noch übermannt, kannst Du im späteren Verlauf des Abends bei mir lesen. Meinungen, die Deinen Denkdiktaten nicht folgen, sind hier ja offensichtlich unerwünscht.
Gott bewahre uns vor "wahren Linken" wie Dir. Da lass ich mich lieber vom Kapitalismus ausquetschen, als mit Leuten wie Dir eine alternative Welt zu gestalten.
Verzweifelte Grüße zurück!

Nachtrag:
Ich finde Links gegen Links absolut scheiße und kontraproduktiv! Und genau das läuft hier und ich lasse mich darauf ein.
Aber ich habe nun mal echt ein Problem damit, mich dermaßen selbstgerecht von oben herab abkanzeln zu lassen. Meine Ausführungen dienen nicht der 'linken Sache', dass ist mir bewusst.
Aber mir dermaßen blöde an's Bein pinkeln lassen, da habe ich dann auch keinen Bock drauf. Und auf ausgrenzende Selbstgerechtigkeit reagiere ich dann eben so, wie hier geschehen.
Ob das klug und zielführend ist, mag ich bezweifeln. Aber wenn man mich schon anpisst, dann sollte man zumindest ein diskursfähiges Bein heben...

Und @altautonomer, falls Du noch mitliest:
Große Reden schwingen und bei dem geringsten Gegenwind die Segel streichen ist ist bei Dir auch erfahrungsgemäß mehr die Regel als die Ausnahme. Diskursfähigkeit geht anders!
Aber sich mit dem 'Pöbel' auseinandersetzen, die Dir mal Konter geben, dafür bist Du Dir dann ja auch zu schade.
Brauchst also hier nicht mehr zu kommentieren, denn ich kann und will nicht garantieren, dass sämtliche Leser Deiner Meinung unwidersprochen folgen.
Also lass es in Zukunft doch einfach ganz und kuschel Dich woanders unter. Ohne Zugluft.
Im Narrenschiff ist sicher noch eine Koje frei..




Samstag, 12. September 2015

Verschwörungstheorien: Wie die Gleichschaltung mit medialer Unterstützung funktioniert.

Abteilung: Selten gute Interviews

Über die Seite Propagandaschau bin ich auf DIES hier gestoßen.


Unvorstellbar, dass solch ein Interview in den öffentlich rechtlichen Sendungen zu hören/sehen wäre.

Es mag sein, dass es die 'vierte Gewalt' in unserer Medienlandschaft weitgehend nicht mehr gibt.
Die so oft beschworene vierte (kritisch hinterfragende) Gewalt, manifestiert sich aber z.B. in solch publiziertem Gedankenaustauschs, welche man in vergleichbarer Form nur noch nur in den Tiefen des Internets findet.

Über die Inhalte(!) des Interviews kann hier gerne diskutiert werden. Würde mich freuen!

[Übrigens: Ich weiß das Ken Jebsen das Publikum spaltet. Hier soll es nicht um die Person Ken Jebsen gehen, sondern, wie gesagt, um die Inhalte... wie bspw. Propaganda, Gleichschaltung und Kriegstreiberei.]

Wer noch mehr davon will (diesmal sogar mit bewegten Bildern!) kann sich hier reinklicken:

Dienstag, 14. Juli 2015

Interview des Tages: Da ist jemand stinkend sauer und redet Tacheles

Abteilung: Heiner Flassbeck gibt den Lothar Dombrowski

Nachfolgend ein wirklich hörenswertes Interview in YouTube-Format.
Interessant, wie der Interviewer offensichtlich damit überfordert ist, auf dem wütenden und damit umso mehr genialen Heiner Flassbeck irgendwie einzugehen.

Solche deutlichen und emotional bewegten Worte muss man dann auch Glück haben, in irgendwelchen Nischen des Internets überhaupt zu finden (Die Propagandaschau).
Im Fernsehen bekommt man so etwas nämlich nicht zu sehen. Weder im gebührenzwangsfinanzierten öffentlich-rechtlichen Sendern, noch in den Privaten.

Und im Radio bekommt man sowas frühestens ab Mitternacht zu hören. So zumindest meine Wahrnehmung.

Viel Spaß (oder wie man das nennen will) beim zuhören!




Montag, 6. Juli 2015

Ja zum Nein

Abteilung: Nein zum Ja

Es ist fast schon eine Pflichtübung, sich als Linksdenkender, zum Nein zu bekennen. Oxi.

Ich habe heute ein deutschsprachiges Lied gehört. Ich weiß nicht, wie die Band heißt, oder das Lied.
Aber eine Textzeile blieb mir in Erinnerung:
"Gott hat einen starken linken Haken."
Und, unser Gott ist der des Kapitalismus. Des Glaubens an Märkte, an Gewinne, Konkurrenz und an Zahlen.
Das ist das, was man uns GLAUBEN machen will (ich bin unreligios - aber dann glaube ich doch lieber an Gott als an die Märkte...).

Der Mensch ist da schon lange nicht mehr das Maß der Dinge - und er war es auch nie, das erzählt uns die Geschichte.

Die Aufklärung hat versagt, wie auch die Kraft der Vernunft (beide existieren noch in 'unseren Köpfen' - aber sie haben leider nicht mehr die Meinungs-/Deutungshoheit).


Wir sind aufgeklärt und vernünftig, sind aber auch ungebildet und eigennützig.
Und lassen uns von Hetzblättern wie BILD bis in die Ränder der >linken Presse< aufhetzen, gegen die 'Sozialschmarotzer', die auf unsere Kosten leben.
Kommt das irgendwie bekannt vor?
Die faulen Juden, die faulen Ausländer und Asylbewerber, die faulen Sozialleistungsempfänger. Die faulen Alten und die faulen Jungen. Und die faulen Griechen.
[Sinnerhaltend kann man auch gerne >faul< mit >schmarotzend< austauschen...]

Gegen die Schwachen aufhetzen um den eigenen Besitzstand zu wahren.
Nicht wirklich überraschend diese Strategie. Teile und herrsche! Überraschend nur, dass die Bevölkerung dies immer noch nicht durchschaut hat.
Ist der griechische Olivenbauer das Problem? Der Rentner? Der Rezeptionist im griechischem Badeort?

Solidarität, ist das wirksamste Gift, was wir denen entgegenschleudern können, welche Habgier propagieren! Welche Angst in unsere Herzen setzen wollen, auf dass die Angst uns trennt statt vereint.

Die griechischen Wähler haben mit 'Nein' gestimmt, zu einer Dikatur des Sparens, die nicht mal Optimisten Raum für Hoffnung gelassen hat.

Dieses 'Nein' wiegt umso schwerer, als das die Wenigsten sich durch dieses Votum eine kurzfristige Lösung ihrer elementarsten Probleme versprechen.
Dieses 'Nein' votiert zugunsten von Würde und entgegen monetärer Sicherheit, die den Verbleib in der Eurozone zwar verspricht, aber sicher nicht einlösen kann.

Dieses Nein ist nicht gegen Europa!
Dieses Nein ist gegen die momentane Interpretation von Europa.
Dieses Nein setzt die Menschen vor die Zahlen.
Dieses Nein setzt Demokratie entgegen Kapitalinteressen.

Dieses Nein, welches noch jung ist, hallt jetzt schon in mir nach.
Es hat mir Kraft gegeben, wieder Hoffnung zu haben.

Hat mich hier wieder schreiben lassen.

Und die, die auf dieses Nein reagieren, die müssen sich auch (möglicherweise später) daran messen lassen. Martin Schulz (typisch SPD) muss dann auch direkt seinem Beißreflex folgen. Sieht selbst bei sich keinen Handlungsbedarf und bei den demokratisch nicht legitimierten Technokraten auch nicht. 
Erkenntnisresistenz.
Ich klatsche momentan in meine Hände, während ich verfolge, wie die um Meinungshoheit kämpfenden sich freiwillig derangieren.

Und,
das sei noch einmal abschließend deutlich gemacht:
Auch wenn die Besitzstandsbewahrer - und deren ausführenden Organe uns was anderes in die Köpfe pflanzen wollen:
Die Griechen, die 'Oxi' gestimmt haben, haben nicht gegen eine solidarisch, humanistische Idee von Europa gestimmt!

Ganz im Gegenteil!

Auch, wenn das bereits versucht wird umzudeuten:
Dieses 'Nein' ist ein 'Ja' zur demokratischen Partizipation. Ist ein Ja zum Humanismus. Ist ein Ja zur politischen Gestaltung, entgegen einer 'alternativlosen Politik' im Sinne der Kapitalinteressen.

Merkel sitzt in der Klemme. Sie bangt vermutlich jetzt schon um die Interpretation ihrer Politik in nachfolgenden Geschichtsbüchern.

Blöd nur, wenn man Demokratie vorgibt, die Wähler aber nicht so wählen wollen, wie das erwünscht ist.

Blöd nur, wenn eine Regierung dafür eintritt, wofür sie angetreten ist. Und im Zweifel das Volk befragt.
Und dann auch noch bestätigt wird.

Wenn nicht schon vorher erkennbar, wird sich in naher Zukunft allzu deutlich zeigen, welchen Wert einer Mehrheitsentscheidung zugemessen wird. Es wird sich zeigen, welche Wertschätzung sog. 'Demokraten' dem Volkeswillen beimessen.
Demokratie ist nämlich mehr, als ein Freifahrtsschein für die Dauer der Legislaturperiode!
Tsirpas trat genau dafür ein, wofür er angetreten ist.

Und wurden soeben vom Volk dafür per Referendum ziemlich stark unterstüzt.

Und genau das ist der Eiterpikel auf dem Arsch jener, die glauben, die Menschen durch mediale Manipulation (VT?) schadlos vor die Kapitalinteressen spannen zu können.

An der Gegenwehr auf dieses Votum wird man die Angst ablesen können; davor dass die Ausgebeuteten aufbegehren könnten.
Im größerem Umfang, für das möglicherweise Griechenland den Weg bereitet (Spanien?).

Die Europäische Gemeinschaft hat ein Glaubwürdigkeitsproblem:

Hoffnungslose kann man nicht mehr unter Druck setzen.
Menschen ohne Zukunft, kann man nicht mehr Angst machen.

Bei einem möglichen Grexit wäge nicht nur die vernachlässigbare Volkswirtschaft Griechenlands...

Gerade die, die jetzt einen Austritt Griechenlands fordern, versuchen den ersten Dominostein unter die Erde zu schaufeln.
Aber der Dominostein ist mit dem Referendum bereits umgekippt. Er wird nachhaltig seine Wirkung zeigen, egal wie tief man ihn jetzt eingraben will.

Meine Analyse mag für viele all zu optimistisch wirken.

Aber, unabhängig davon, ob manche diesen Optimismus für unbegründet halten, so tut er doch gut, in meinem Herzen. Er fühlt sich gut an!

Entschuldigt den pathetischen Klang meiner Worte.

Dies ist meine spontane Reaktion auf das Wahlergebnis.
Zugegebenermaßen relativ euphorisch.

Ich habe seit langem mal wieder Hoffnung, dass sich auch für den kleinen Mann etwas zum Postiven verändern könnte.
Langfristig sogar beim Grexit. Kurzfristig würde dieser weitere negative humantiäre Auswirkungen haben, wenn internationale humanitäre Hilfe ausbliebe.

Trotzdem glaube ich, dass ein 'Nein' zu den momentanen Diktaten, einer nachfolgenden Generation bessere Chancen eröffnet. Oder zumindest Hoffnung auf ein besseres Leben, welches die Troika noch nicht einmal in Aussicht stelllt.

Hoffnung ist ein machtvolles Gefühl! Hoffnung (und der damit einhergehende Wille auf Veränderung) treibt demokratische Prozesse an!

Hoffnung ist aber das, was die Troika der nicht demokratisch Legitmierten nicht einlösen konnte, oder nur wollte.

Das Votum in Griechenland, lässt Hoffnung aufkommen, dass nicht jede Gesellschaft so funktioniert (und so wählen), wie die Machthabenden das Wollen (wer das ist [ob es sie überhaupt gibt?], soll jeder für sich selbst entscheiden...).

Dies ist so ein Augenblick, wo Politik spannender werden könnte, als das nächste Spiel der eigenen Lieblings-Fußballmannschaft.


Alleine dies wäre schon ein demokratischer Gewinn...

Montag, 22. Juni 2015

Donnerstag, 4. Juni 2015

Entweder, oder? Eine Frage, die sich jeder stellen sollte

 Abteilung: Scharfe Klinge

Die Partei Syriza ist angetreten, um sich aus der eisernen Umklammerung der Troika zu befreien, die nicht nur subjektives sondern auch objektives Leid in der Bevölkerung Griechenlands ausgelöst hat.
Die abgehängte Bevölkerung wurde in den letzten Jahren in einen kollektiven Schuldenturm gesperrt.
Die bisherige nationale Politik Griechenland tat nichts anderes, als das Diktat der Troika in Gesetze umzusetzen und zu verwalten.

Wenn man sich denn zur Demokratie bekennt, dann bekennt man sich doch auch für das regulierende Mandat, bestehende Zustände zu ändern, die es zulassen, dass Wenige von der Mehrheit profitieren.
Demokratie versteht sich doch als Ausdruck des Interesses der Mehrheit, denn sonst ist sie ad absurdum geführt.

Nicht der (faule) griechische Olivenbauer hat über seine Verhältnisse gelebt, sondern ganz andere.

Und Jene tuen dies immer noch.

Syriza trat für die Bedürfnisse der Mehrheit ein. Und die Mehrheit, das sind die Ausgebeuteten.
Und von Jenen, die das demokratische Mandat haben, etwas an diesen Zuständen zu ändern, wird verlangt, dass sie alles genau so abwickeln, wie die Vorgängerregierung.
Dass sie weiterhin die Verteilung von arm zu reich organisieren und in Gesetze gießen.

Sozialabbau, Abbau öffentlicher Stellen der staatlichen Daseinsfürsorge (z.B. medizinische Versorgung), Privatisierung, usw. sind Forderungen, die dem demokratischen Mandat der griechischen Regierung wiedersprechen.
Niemand glaubt daran, dass das Austeritätsdiktat der EU Griechenland aus der Wirtschaftskrise führen wird.
Nicht mal Schäuble, oder Merkel selbst.
Es geht um die Aufrechterhaltung von Dogmen.
Es geht um Schuld und Sühne.
Es geht darum, dass bestehende System der Gewinnverteilung mit allen Kräften aufrecht zu erhalten.

Der Gedanke einer Wirtschaftsunion, um eine Alternative zum Dollar zu bilden, ist jetzt schon gescheitert.
Die Zentrifuge innerhalb Europas hat jetzt bereits solche Fliehkräfte entwickelt, dass auch Spanien in deren Sog geraten wird.
Überholte neoliberale Dogmen werden diese Entwicklung nicht verhindern können.

Und ich glaube, dass im G7-Gipfel genau dies Thema sein wird.
Sie werden dort keine nachhaltige Lösung finden, außer Repressionen gegen zunehmende Gegenbewegungen - was eben keine NACHHALTIGE Lösung ist.

Aus der Geschichte nichts gelernt...

Es mag Zeit kaufen, wenn man eine Politik, in denen Wenige von der Mehrheit profitieren (sie diese ausbeuten) als demokratisch legitimiert verkauft wird.
Irgendwann wird und sollte  die Mehrheit (das Souverän) nicht mehr zustimmen, dass sie von Wenigen ausgebeutet wird.
Aber die Legimitatin dafür wird immer subtiler und verkauft sich als demokratisch.
Leider unter medialer Begleitung - der sog. 'Vierten Gewalt', die eigentlich als kritisch hinterfragende Instanz der Regierung gedacht ist - aber immer mehr zur 'Hofberichtserstattung' verkommt.


Aber, das ist nur Zeitspiel. Und deshalb wird auch in vorgegebenen Demokratien die Opposition immer repressiver behandelt.

Das alles wird nichts nützen.
Ihr könnt die Opposition mit Drohnen beschießen, oder was Euch sonst einfällt.

Irgendwann wird sich das Allgemeininteresse seine Bahn schlagen.

Oder auch nicht.

Als Demokrat will ich daran glauben.

Schimpft mich einen naiven Ideologen, oder einen aufrührerischen Revoluzzer, der vom Verfassungsschutz beobachtet werden sollte.
Die wenigsten werden mich als Verfechter der Demokratie beschimpfen, obwohl ich auf dem Fundament unseres Grundgesetztes argumentiere.

Ist mir mittlerweile auch ziemlich egal...

(...)

Unser momentanes Wirtschaftssystem lebt von monetären Unwuchten. Man hat Geld und verleiht es an Jene, die keines haben. Und will dafür natürlich Gewinne erzielen.
He höher das Risiko, desto größer die Rendite.
Heißt in der Konsequenz:
Je mehr man Geld braucht, umso höher sind die Zinsen um es zu bekommen.
Plumper ausgedrückt: Je weniger man hat, um so mehr muß man bezahlen.
Das ist die Logik des bestehenden Systems.

Die BRD, das Vorbild der Wirtschaftskraft und Exportmotor ist mit 241 Milliarden(!) verschuldet!
241.000.000.000 Euronen.
http://www.staatsverschuldung.de/schuldenuhr.htm

Wie kann es sein, dass eine Volkswirtschaft in Zeiten neoliberaler Dogmen, die als Vorbild dient/dienen soll, so viele Schulden hat, dass sie diese niemals abtragen kann?
Sicher, wir können die Zinsen bedienen. Aber irgendwann schuldenfrei sein zu können, ist außerhalb jeder ernsthaften Diskussion.

Die ultimative Frage ist doch die, in welche Richtung das Geld (erwirtschafteter Reichtum) fließt.

Und ewig wird die Antwort sein:
Von unten nach oben.

Und OBEN ist eben NICHT die Volkswirtschaft BRD, sondern die Zinsforderungen der Systemprofiteure, (Olligarchen heißen sie nur in Rußland).

Weckt mich auf, wenn sich das ändert.

Bis dahin folgen wir einem parasitärem System, welches von der Mehrheit anscheinend als 'alternativlos' akzeptiert wird.

Die humantiäre Not (die von den meisten ja [wenn überhaupt] jenseits des Mittelmeers verortet wird) ist bereits in der EU.
Und ja, falls jemand fragt: Sie ist bereits auch in der BRD angekommen.
Wie sonst ist der Zulauf der Tafeln zu erklären?

Die daraus resultierende Frage ist, welches menschliche Leid man bereit ist zu akzeptieren, um den Euro stark zu halten.

Die Frage ist, ob man die Bundesrepublik Deutschland und die Europäische Union lediglich als Wirtschaftsmächte sieht, oder als mehr (dem Anspruch einer Solidargemeinschaft?).

Die Frage ist eine ethische und gleichzeitig wirtschaftspolitische:

Wie man die Zukunft der Menschheit gestalten will;
über diese Klinge wird man springen müssen!

Jeder Einzelne wird sich die Frage beantworten müssen, an welches System er glauben mag:
An die 'Weisheit des Marktes' oder an eine anzustrebende gerechte Verteilung des 'globalen Reichtums'.

Ich glaube, diese >Klinge< schneidet alles!
Denn an beides glauben kann man nicht: Weder eine Ideologie, noch eine logische Auseinandersetzung lässt beide Antworten zu.



Griechenland ist da ein Symtomträger.
Wie jeder beliebige Hartz IV-Empfänger auch...

Wie die demokratische Ordnung, wie Solidarität und der etabliert geglaubte Humanismus damit umgeht - daran muss sich unser Wertegefüge messen lassen.

Und wird scheitern, trotz der Widersprüche, die wir noch im Alltag als 'normal' hinnehmen bereit sind - abgestumpft und zugerichtet wie wir es gelernt haben.

Sonntag, 3. Mai 2015

Nasenschatten als Hitler-Bärtchen

Abteilung: "Wer weiß das? Wieder keiner!"


Hier ein kleines Bonbon, um die Wartezeit bis zu meinem nächsten Text zu überbrücken.

Es ist befreiend mal so richtig über Rechtsradikale ablachen zu können. Denn normalerweise regt man sich über diese ja eher maßlos auf. Dieser aber ist echt lustig! Versprochen!

Hier werden Verschwörungstheorien in einem Stakkato gezündet wie Sylvesterkracher zum Jahreswechsel.
300 km/h schnelle russische Panzer, Doitsche auf dem Mond, eine hohle Erde und eine kalte Sonne, und vieles mehr...
Axel Stoll erklärt die Welt und versucht sich dabei mit eine hitleresken Aura zu umgeben.
Man beachte hierzu Gestus, Haartracht, Sprechmelodie und Nasenschatten (Special-Effekt?)

Es darf gelacht werden!

Vorhang auf für Dr. Axel Stoll!


Eigentlich ist es ja nicht wirklich witzig, diese rechtsradikale Verblendung. Ich weiß es ja...
Aber komische Züge hat es schon, sozusagen als Parodie seiner selbst.

Was ich übrigens nicht verstehe, warum die geschlossene psychiatrische Abteilung keine Gitter vor dem Fenster hat.

Über das Phänomen Stoll wurde übrigens auch ein Buch verfasst.

Hier ein Interview mit den Autoren.

Dienstag, 28. April 2015

Ausgebrannt

Abteilung: Die allgegenwärtige Verarsche

Hey, liebe noch verbleibende Leser.

Habe lange nichts mehr gepostet.
Selbst zahllose, verreckende Flüchtlinge über's Mittelmeer konnten mich nicht zur Tastatur rufen.
Es gibt so viel zu schreiben.
Aber in Zeiten, in denen sämtliche Menschenrechte relativiert werden, fühle ich mich paralysiert.
Das elementarste Recht, nämlich das Recht auf Leben; darauf wird täglich geschissen.
Nicht nur in den 3. Welt-Ländern, nein auch hier in Europa verhungern Menschen oder werden in den Suizid getrieben.
Politsch Verfolgten müssen wir nach unserer Gesetzeslage Asyl gewähren. Wer dem Hungertod entfliehen will, der ist Wirtschaftsflüchtling. Wir weigern uns, die Konsequenzen der Armut zu übernehmen, die wir produzieren.
Wir werden vom BND verraten, von der Regierung, ja vom Wahlverhalten unseres eigenen Volkes.
Humanität drückt sich tendenziell nur noch in der Spendenbereitschaft zur Weihnachtszeit aus.
Sicherlich gibt es Ausnahmen, aber zuerst mal geht es um den Wirtschaftsstandort Deutschland, dann um die Europäische Union, und ferner läuft der Rest der Welt.
Politik wird von DAX-Unternehmen bestimmt.
Wenn der demokratische Wille dem nicht mehr folgen will (Beispiel: Griechenland) dann werden sie in Zwangshaft genommen und diskriminiert. Unter Begleitschutz der deutschen 'Qualitätspresse'.

Ich bin einfach müde, auf das Offensichtliche aufmerksam zu machen.

Wer die tägliche Verarsche nicht durchschaut, der brauch auch mich nicht.
Wer sie durchschaut, braucht mich ebenfalls nicht.

Immer mehr tendiere ich zu folgenden, zugegebenermaßen fatalistischen Worten von Charles Bukowski:

"Ein Grabstein für den
ganzen Schlamassel, und darauf
gehört die Inschrift:
Menschheit, du hattest
von Anfang an nicht
das Zeug dazu."


All das, was ich täglich erfahre, hat mir den Schneid abgekauft.
Ich möchte nicht niederknien, aber meine Beine geben nach.

Ich brauch ne Pause um Kraft zu sammeln...
... oder um zu erkennen, dass mein ganzes Handeln und Schreiben sinnlos ist.

Vielleicht bin ich einfach nur zu schwach.
Ich bin Zeitzeuge davon, dass Vernunft und Humanität obsolete Werte sind, die von der Marktgläubigkeit vereinamt wurden.
Die Hoffnung darauf, dass ich einen relevanten Beitrag leisten kann, dem entgegenzusetzen, tendiert gleich null.
Ich will nicht bemitleidet werden. Denn jeder, der das tut, muss sich gleichzeitig selbst bemitleiden.
Ich bin das Opfer, der selben Umstände, unter denen jeder andere leidet, der nicht selbt Systemprofiteur ist.

Ich brauch ne Pause.

Kann sein, dass ich mich in einer Woche wieder melde, in einem Monat, einem Jahr, oder nie.

Wäre aber trotzdem schön, wenn ihr mich nicht aus eurer Blog-Roll löscht.

Liebe Grüße
Euer Dude


Mittwoch, 8. April 2015

Diamanten des Internets (3)

Abteilung: Arbeitskult(ur)

Bin über diesen wunderbaren Text gestolpert, den ich mit meinen treuen Lesern teilen möchte.
Er beschäftigt sich mit dem Fetisch Arbeit und dessen Einbindung in unsere kapitalistische Gesellschaftsstruktur, die bis in unsere eigenen Synapsen vordringt.
Anschaulich und mit einfachen, klaren Worten, werden hier Zusammenhänge aufgezeigt, die man zwar kennt - oder zumindest ahnt. Aber die Lektüre des Textes sensibilisiert dafür, den Wahnsinn zu erkennen, der sich in allgegenwertiger 'Normalität' verbirgt.

Die, denen dieser Text ebenso gefällt wie mir, möchte ich bitten, ihn weiter zu verbreiten.

Montag, 6. April 2015

Neues von der Kanzlerin

Abteilung: Frittierte Sardellen

Hier ein kleines Osterei zu den Feiertagen.
Habe selten solch eine substanzlose Aneinanderreihung von Wörtern gelesen.
Merke: Auch der 'Qualitätsjournalismus' kann Boulevard!
Zugegeben ein überflüssiger Erkenntnisgewinn, aber ich hoffe als Anekdote zum Schmunzeln durchaus zu gebrauchen.

Freitag, 3. April 2015

Die Medien, die Recht behielten, aber nie im Recht waren

Abteilung: Die Sicherung des Flugverkehrs und andere mögliche Konsequenzen

Meiner (nachzulesenden) Meinung nach, wurde seitens der fränzösischen Staatsanwaltschaft und deren unkritscher Auswertung durch die Medien, allzu früh von Schuld gesprochen.
Das rechtsstaatliche Prinzip der Unschuldsvermutung wurde in den öffentlichen Medien allzu selten bemüht.

Aufgrund der neuesten Erkenntnisse, bin auch ich aber nun mittlerweile davon überzeugt, dass sich die kolportierte Schuldzuweisung im nachhinein als 'Treffer' erwies.

Trotz alldem sollten wir uns folgendes vergegenwärtigen:
  • Die französische Staatsanwaltschaft ermittelt noch gegen ihn. Noch sind nicht alle Daten/Beweise ausgewertet. Obwohl nach publizierter Faktenlage alles gegen ihn spricht, ist er immer noch ein mutmaßlicher(!) Täter. Diese rhetorische Genauigkeit sollte uns die Unschuldsvermutung wert sein.
  •  Dass die übereilte mediale Schuldzuweisung sich wohl letztendlich bewahrheitet, ändert NICHTS daran, dass dies wider dem Pressekodex geschah. Es legitimiert in keinster Weise begangenes, journalistisches Fehlverhalten.

Aus der rückblickenden Betrachtung genannter Vorfälle ergeben sich mehr Erkenntnisse, als durch Änderung von Sicherheitsmaßnahmen umzusetzen sind.

Mindestens eben so wichtig ist die Auseinandersetzung damit, wie unantastbar Menschenrechte sein sollten, aber im publizistischen Spiegel unserer Gesellschaft offensichtlich nicht sind (Anspruch und Wirklichkeit).

Eine Auseinandersetzung mit den zurückliegenden Ereignissen muss auch eine Medienkritik beinhalten!



Dienstag, 31. März 2015

Schuld, bei Vermutung

Abteilung: Die mediale Personifizierung einer nicht bewiesenen Sachlage
"Nach Angaben der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft war Lubitz bereits vor Jahren in psychotherapeutischer Behandlung, noch ehe er seine Fluglizenz erhielt. Damals wurde auch eine Selbstmordgefährdung festgestellt." (SPON)
Passt wieder mal schön ins BILD. Noch gibt es keine Quellen, keinen Namen, auf den diese Aussage zurückzuführen ist. Möglicherweise mag diese Aussage jemand getroffen haben (der auch namentlich dazu steht und diese auch belegen kann), und auch das würde mich nicht überraschen.
Mehr überrascht, wäre ich aber, wenn dies tatsächlich geschehen möge, anstatt in der Kakophonie der täglichen Berichterstattung unter zu gehen.

Wenn überhaupt, mag das ein Indiz für die vermutete Tat sein, aber kein Beweis.
Nicht jeder, der Suizid als Lösung für seine Probleme in Erwägung zieht, ist willens, Unschuldige in seinen Freitod reinzureissen.
Der in der Presse kommunizierte Verdict gründet lediglich auf der Interpretation der französischen Staatsanwaltschaft des Voice-Recorders.

Niemand konnte bislang plausibel erklären, warum Jemand, der so narzistisch gestört ist, um seinen Selbstmord durch das Leben unschuldiger Anderer überhöhen zu müssen, acht Minuten lang schweigt.

Ich bin kein Psychologe, aber ich denke, dass ein narzistisch Gestörter sein Handeln (auch posthum) als 'richtig' interpretiert wissen will.
Schweigt ein narzistisch Gestörter acht Minuten lang; ignoriert schweigsam die Interventionen des Piloten und der Flugsicherung?
Kein Statement zur Partnerin oder anderen Hinterbliebenen, wie z.B. den Eltern, im Angesicht des nahenden, selbst herbeigeführten Todes?
Kein Abschiedsbrief?

Wie passt das ins Bild?

Welche sogenannten Experten, die eine narzistische Störung als Beweggrund vermuteten, setzten sich mit dieser Diskrepanz auseinander?
Exemplarisch hier: Isabella Heuser (ab ca. 28. Minute) in einer sehenswerten Phönix-Runde.


Ich meine nicht, dass der Co-Pilot als unschuldig betrachtet werden soll.
Ebenso wenig aber, meine ich das Gegenteil, bis seine Schuld wirklich bewiesen ist. Dies ist, meiner unrelevanten Meinung nach, bislang noch nicht geschehen.

Die 'Qualitätsmedien' relativieren nicht, sondern folgen der vorgegebenen Meinung. Eine Unschuldsvermutung (bis das Gegenteil schlüssig bewiesen ist) auf die unser Rechtsstaat aufbaut, ist offenbar obsolet.
Als Medienkonsumenten sollten wir uns fragen, ob wir diese Sprechweise akzeptieren:
Wer mag dieser Vorgehensweise (auch noch) zustimmen, wenn er selbst betroffen ist?

Man möge sich fragen, bei welchem Piloten (die ja auch nur fehlbare Menschen sind) nicht etwas zu finden wäre.
Je forcierter man sucht, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass man etwas findet, was die eigene Theorie untermauert.

Wie die Medien mit diesem Vorfall umgehen, enttäuscht, bestätigt aber das Bild, welches ich von jenen habe.
Besonders, wenn man so was liest.


Nicht dass ich falsch verstanden werde:
Ein 'erweiterter Suizid' klingt auch für mich am wahrscheinlichsten.

Aber, WISSEN (und damit 'schuldig sprechen') ist etwas vollkommen anderes...!


Nachtrag (Meta-Ebene):
Abschließend sollten wir uns selbstkritisch (hinter-)fragen, ob wir nicht genau das bekommen, was wir wollen:
Einen Schuldigen, dem wir das Unfassbare anlasten können.

Vergessen (oder besser: übergangen) wird dabei die Frage, wie aus unserer Gesellschaft solche Menschen entstehen können.
Was wäre beruflich und gesellschaftlich mit ihm geschehen, wenn er bspw. Depressionen geäußert hätte?

Hätte sich ein beliebter deutscher Fußballtorwart in einem Umfeld umgebracht, in dem er auf Verständnis hoffen könnte?

Bequemer ist es allemal, solche Symtome als pathologisch abzutun.
Die 'Krankheit', die wir Jenen andichten, unbegreifliches zu tun, entsteht nun mal innerhalb eines sozialisierenden Wertegefüges.
Innerhalb dieses Gefüges, fällt man um so tiefer, um so höher man steht.
Die Angst zu versagen oder (in vielfältiger Interpretation) zu fallen, braucht gesellschaftliche Hintergründe.
Wir selbst sind ein Teil dieser >Krankheit<!


Ja, ich weiß, dass manche diese Zeilen gerne so interpretieren möchten, ich wolle unmenschliches Wesen und Handeln relativieren.
Nein, dass möchte ich ausdrücklich nicht:
Weder, bei dem Co-Piloten, sollte er denn das Flugzeug bei klarem Bewußtsein auf den Berg gelenkt haben,
noch, bspw. bei der täglich praktizierten Folter in Guantanamo.

Denn, trotz gelebter Unschuldsvermutung, habe ich leider den Verdacht, dass Trauer und Empörung davon abhängig sind, in welcher Nähe sie entstehen.
Was, wenn der Pilot Afrikaner gewesen wäre? Den Flieger in den Kilimandscharo gelenkt hätte? Keine Europäer an Bord.
Wäre unser (und damit auch das mediale) Interesse dann auch so groß?


Alle Kritik, die wir äußern, findet in einem Wertekontext statt, der diesen letztendlich legitimiert.
Wir prangern nicht das System an, welche eine Symptomatik hervorruft, sondern deren Opfer.

Opfer, die selbstverständlich auch Täter sind (im aktuellen Fall: mutmaßliche Täter).

Und, ja (Shitstorm sei willkommen!) auch Hitler hätte sich vermutlich nicht zu einem dermaßenen Psychophaten entwickelt, wenn er nicht auf ein Volk getroffen wäre, welche seine kranken Phantasien unterstützen.
Bei 'Hitlers Helfer' taucht bezeichnenderweise das deutsche Volk nie auf.

Abschließend sei angemerkt, dass es immer leicht ist, einen Schuldigen für das Unfassbare zu finden.
Vergessen sollten wir dabei aber nicht, dass wir Teil des Umfeldes sind, in dem dieses >Unfassbare< geschieht.

Nachdenkliche Grüße
Dude

UPDATE:
Lesenswert hierzu ein Text bei Carta von Richard Meng.

Samstag, 28. März 2015

Der Duderich hat technische Probleme (2) / Nachtrag zu '150 Menschenleben'

Abteilung: Verflixte Technik

Mein alter Rechner hat den Geist aufgegeben. Frieden seiner Platinen.
Ich habe nun einen neuen.
Seltsamerweise stellt dieser meine Seite vollkommen anders dar. Alles ist anders angeordnet.
Und, noch seltsamer, kann ich über meinen neuen PC nicht mehr kommentieren.
Ich kann nach wie vor Texte in diesen Blog reinstellen, aber wenn ich kommentieren will, weigert sich mein Cursor von seinem Pfeil-Dasein in den Eingabemodus (I) zu wechseln.
Es ist mir schier unbegreiflich und ich vermutete zu erst, dass mein alter Monitor nicht mehr mitkommt.
Also habe ich mir einen neuen Monitor gekauft (war eh überfällig).
An der Symptomatik änderte sich nichts - der selbe Scheiß, nun aber auf einem Monitor mit einer Diagonalen von 60 Zentimeter.

Mir bleibt es unbegreiflich, dass ein neuer PC diese Probleme verursachen kann. Mit anderen Seiten habe ich keine Probleme - nur eben mit meiner.

Wer mir diesbezüglich helfen kann, oder ähnliche Probleme hat, möge sich bitte bei mir melden.
Meine Leser mögen es bitte deshalb entschuldigen, dass ich bis zur Behebung dieser Problems, seltener kommentieren kann (da dies momentan nur von anderen Rechnern möglich ist).

UPDATE:
Die oben genannten >technischen Probleme< sind mittlerweile beseitigt.


P.S. (Nachtrag zu '150 Menschenleben'):

Bei dieser Gelegenheit möchte ich gerne 'Anonymus' antworten (bitte in Zukunft Nickname eingeben).
"Wie schon letztens beim Thema "Wo sind die Positionen der EZB-Gegner in der Presse?" - Warum beschäftigst du dich nicht selber mit einer Antwort auf deine Frage? Man hat in den letzten Tagen  nicht viel lesen oder TV sehen müssen, um auf diese Info hier (aktive Verriegelungsmöglichkeit) zu stoßen."

Beim Verfassen des Textes hatte ich durchaus Kenntnis über den Verriegelungsmechanismus. Auch war und ist mir bewusst, dass für diesen Sinkflug ein Regler um 360° gedreht werden musste.
Das alles sind Indizien, die für diesen 'erweiterten Suizid' sprechen. Deshalb schrieb ich ja auch, dass ich zu 98% der offiziellen Version folge.

Trotzdem bleiben für mich Restzweifel, die ich versucht habe im Text zu begründen.

Wenn man das Prinzip der Unschuldsvermutung akzeptiert, so muss diese auch hier gelten.
Denn, wie ich bereits erwähnte, ist besagter Co-Pilot noch von keinem Gericht verurteilt worden.
Man mag diese Person aufgrund einer Wahrscheinlichkeitsabwägung der momentan bekannten Tatsachen für schuldig halten.
Immer noch ist er aber ein 'mutmaßlicher'(!) Täter. Zumal der Flugschreiber mit den technischen Daten bislang noch nicht gefunden wurde (dort ist doch eigentlich ein Peilsender eingebaut?) "Stattdessen ist der Flugschreiber mit einem Peilsender ausgestattet..."

Grüße, Dude

150 Menschenleben

Abteilung: Medialer Sinkflug

Das alles verstört. Man begreift es nicht.
Und, wenn es wirklich so war, wie überall kolportiert wird, selbst dann wäre es möglicherweise zu einfach, jenen Menschen einfach nur für ein gewissenloses Arschloch zu halten.

Das ganze Szenario, so gebe ich zu Bedenken, wäre ja auch möglich, wenn Jener in einem (zugegebenermaßen) kleinen Zeitfenster in Bewusstlosigkeit gefallen wäre. Das würde erklären, warum er nicht mehr auf Impulse von Außen reagiert hätte.

Das Szenario, des Selbstmordattentäters ist das wahrscheinlichste - das empfinde ich genauso.
Aber, es bleiben - zumindest für mich - noch marginale Restzweifel, und solange sollte die Unschuldsvermutung greifen.

Es geht mir, für meinen Geschmack, zu schnell, dass die Möglichkeitsform in der Berichtserstattung immer mehr ausgeklammert wird. Aufgrund der Interpretation der Staatsanwaltschaft gerinnen immer mehr Mutmaßungen zur Faktenlage.

Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich so zugetragen hat, wie es in den Medien zu lesen ist, schätze ich zu 98% als zutreffend an. Aber es bleiben doch Restzweifel.

Exemplarisch möge man sich den Klassiker 'Die zwölf Geschworenen' (noch) einmal anschauen.

Für mich persönlich (ich spreche ja schließlich nur für mich) ist die Beweislage erdrückend, aber nicht zwingend.
Es gibt unzählige Beispiele, wo sich, bei ähnlicher Beweislage, ein Verurteilter im Nachhinein als unschuldig erwiesen hatte.

Eine Bewusstlosigkeit im relevanten Zeitfenster ist zwar unwahrscheinlich, aber immerhin möglich.
Atemgeräusche gäbe es da auch.

Mein Restzweifel speist sich daraus, dass ich nicht glauben kann, dass man nicht willentlich (bei vollem Bewusstsein)  in den Tod rasen kann, ohne ein einziges Wort zu verlieren. Sich diese Schuld aufladen kann, ohne ein letztes Wort an die Eltern, oder an andere nahestehende Menschen zu verlieren.

Nicht mal ein finales 'Fuck!', oder 'Shit!'

Oder ein muttersprachliches 'Leckt mich doch alle!'
... bevor man in den Berg rast.

Acht Minuten ohne Worte - während man die Schuld von 149 anderen Menschenleben auf sich lädt?
Selbst bei einer spontanen Impulshandlung klingt das für mich unwahrscheinlich.

Ich selbst glaube aufgrund der mir vorliegenden Indizien, dass es so war, wie überall beschrieben.
Aber ich WEISS es nicht!

Und solange (es Restzweifel gibt) sollte die Unschuldsvermutung gelten - ein rechtsstaatliches, aber auch ethisches Prinzip, welches wir ohne Not nicht preisgeben sollten.
Auch nicht durch die Medien, die sich maßgeblich nur auf die Aussagen der Staatsanwaltschaft gründen.
Denen offensichtlich ein Bedienen des Voyeurismus wichtiger ist, als die Einhaltung rechtstaatlicher Prinzipien.
Noch hat kein Gericht diesen Menschen für schuldig befunden.
Auch posthum gilt dieser also solange als unschuldig, sofern wir noch an das Prinzip der Unschuldsvermutung glauben..
Da wird sich jeder, unabhängig der eigenen Fassungslosigkeit und Empörung, entscheiden müssen.

Das mag unbequem sein, und den eigenen Bedürfnissen widersprechen. Ist aber so.
Mir fällt das auch nicht leicht.

Unabhängig davon, gilt meine Anteilnahme den Hinterbliebenen.
Auch den Eltern, jenes mutmaßlichen(!) Gestörten, die nicht nur die Trauer über den Verlust ihres Kindes verarbeiten müssen, sondern auch die Anfeindungen derer, deren Wut ein Ziel braucht.

Donnerstag, 26. März 2015

Verheizung auf beiden Fronten

Abteilung: Die Opfer sind Täter, sind Opfer, sind Täter ...

Ja, ich habe die Wallraff-Sendung auch gesehen. Dort wurde deutlich gemacht, dass nicht nur Leistungsempfänger unter großem Druck stehen, sondern auch die ARGE-Mitarbeiter.

Es mag nicht überraschen, dass von deren Vorgesetzten eine gewisse Sanktionsquote erwartet wird. Leistungssperrungen sparen Geld - und egal ob sie gerechtfertigt sind, oder nicht - sie treffen ja schließlich eh die Richtigen: Die Sozialschmarotzer, die auf unsere Kosten leben.
Die sind nämlich Schuld, dass man sich den Arsch abarbeitet, und man sich trotzdem keinen Urlaub leisten kann.
Die, und die faulen Griechen, die in der sozialen Hängematte dahinschlenzen, finanziert durch unsere Hände Arbeit.

Ich will ja auch gar nicht leugnen, dass auch die Jobcenter-Mitarbeiter arme Säue sind - sofern sie denn noch ein Gewissen besitzen.

Mich würde es auch fertig machen, müsste ich Sperrungen an Bedürftigen verhängen, für Gründe, die vorgeschoben sind.

Mich würde es auch fertig machen, wenn ich (unter anderem) daran gemessen würde, ob ich auch genug Leistungen Bedürftigen vorenthalte.

Mich würde es aus auch fertig machen, wenn ich aus Überlastungsgründen Anträge dem Shredder übergeben muss.

Aber, wer mag überrascht sein, über das eigene Tun im Jobcenter, der die durch die SPD verabschiedete Agenda 2010 kennt?

Mir persönlich drängt sich der Vergleich auf, dass man sich als Soldat beschwert, dass man auf politische Feinde schießen muss. Sogar, und tatsächlich, ohne Gerichtsverfahren!
Ein Skandal!

Wie naiv und uninformiert muss man denn sein, um diesen Job anzunehmen und sich dann darüber zu entrüsten, ungerechte Handlungen vornehmen zu müssen?

Keine Frage: Auch die Jobcenter-Mitarbeiter sind arme Säue. Je mehr Gewissen sie sich erhalten haben mögen, um so mehr werden sie leiden.

Auch sie gehören zu den Opfern, auch sie sind nur Sklaven, die die Reichtumsverteilung von Unten nach Oben organisieren.
Geschenkt.

Sich aber dann zu beklagen, dass das irgendwie nicht gerecht zu geht und man irgendwie ein Problem damit hat..?
Ist für mich genau so blöd und unbedarft wie die Aussage:
"Warum muss ich als Soldat auf jemanden schießen, denn ich gar nicht kenne, und dessen Schuld gerichtlich gar nicht bewiesen ist?"

Für mich ist die Kritik an die Arbeitsverhältnisse, die in diesem SPON-Artikel beschrieben werden, einfach nur naiv.

Wer in der Lage ist Gesetzestexte zu lesen - und bereit ist, das auch zu tun (zumal man diese auch umsetzen soll), der kann nicht überrascht sein, Bedürftige als Schuldige des systemimmanenten Problems bekämpfen zu sollen.

Mann, heul doch, Du armer Jobcenter-Mitarbeiter!

Oder besser:
Such Dir nen Job, den Du mit Deinem Gewissen vereinbaren kannst!
Und wenn Du den nicht findest:
Dann bist Du genau so ein Opfer, den Du gerade glaubst, aus Zwängen verfolgungsbetreuen zu müssen.

Wenn das auch nicht geht - stell vielleicht mal das System in Frage, dessen Du dienst!

Aber, was gar nicht geht:
Wähle weiterhin die SPD und beklag Dich!

Heul doch, über Dein eigenes Schicksal, während Du Dein Geld damit verdienst, Leidensgenossen verfolgen zu müssen!

Freitag, 20. März 2015

Medienkompetenz

Abteilung: Internetrallye

Unter Medienkompetenz versteht man im allgemeinen die Fähigkeit, sich der verfügbaren Medien zu bedienen, um sich als mündiger Bürger anhand verschiedener Quellen eine fundierte Meinung bilden zu können.
Denn eine fundierte Meinung kann man nicht anhand einer einzigen Quelle bilden.

'Medienkompetenz' ist ein relativ junger Begriff. Als ich noch während meines Studiums im Besitz eines Bibliotheksausweises war, hatte ich diesen Begriff noch nie gehört.
Hätte man mich damals gefragt, was ich unter 'Medienkompetenz' verstehe, so hätte ich sicher geantwortet: "Medienkompetenz, ... hm, damit wird wohl die Kompetenz der Medien gemeint sein."

Nun, in der Jetztzeit hat dieser Begriff eine andere Bedeutung:
Nicht die Kompetenz der Medien wird (außerhalb der Blogsphäre) hinterfragt, sondern die Kompetenz der Konsumenten der Medien.

Wie ich schon anführte, meint der Begriff im heutigen Sprachgebrauch letzteres.
Wenn man diese Deutung aber zu Grunde nimmt, so muss man dann doch konsequenterweise die Kompetenz der Medien hinterfragen. Der Kreis schließt sich...

Bei allem linken Pessimismus hoffte man doch, auf die Verheißung des Internets:
Wissen musste nicht mehr mühsam in Bibliotheken zusammengetragen werden - eine Eingabe in Suchmaschinen reicht, um zeitgleich Informationen zu erhalten.
Man mag sich exemplarisch versuchen vorzustellen, was bspw. Einstein noch alles herausgehauen haben könnte, wenn ihm damals das Internet zur Verfügung gestanden hätte.

Selbstverständlich hätten nicht nur die Naturwissenschaften davon profitiert, sondern auch die Geisteswissenschaften.

Einschub:
Ich lese gerade "Eine kurze Geschichte von fast allem" von Bill Bryson - und das mit Begeisterung!
Dieses Buch beschäftigt sich mit den Errungenschaften der Naturwissenschaften; nein, vielmehr mit den Hindernissen, die dafür überwunden werden mussten und den charakterlichen Schwächen der Menschen, denen wir so unendlich viel an Wissen/und Erkenntnis zu verdanken haben.
Wer sich nur ansatzweise für Naturwissenschaften interessiert - und auch für die Menschen dahinter, sollte dieses Buch unbedingt gelesen haben!
Ein Pageturner, der mich jüngst vergessen ließ, an der richtigen Haltestelle auszusteigen...


Aber das Internet wird leider (so meine Alltagserfahrung) viel zu wenig zur Aneignung von Wissen und der Vernetzung mit Gleichgesinnten gebraucht, sondern vielmehr dazu, sich die neusten Filme herunterzuladen, oder zum Austausch belangloser Eitelkeiten - inklusive narzisstischer Selfies.

Zurück zum Tagesgeschehen:

Kann mir irgend jemand einen Link posten, in dem sich in den 'Qualitätsmedien' nicht nur mit den negativen Auswirkungen (brennende Polizeiwagen) der Blockupy-Bewegung in Frankfurt auseinandergesetzt wird, sondern mit den GRÜNDEN des Protestes?

Ist es naiv, überhaupt danach zu fragen?

Mittwoch, 18. März 2015

Doppelmoral

Abteilung: Deutsche und griechische Zahlungsmoral

Schulden müssen zurückgezahlt werden, Zinsen bedient. Dies sei sozusagen ein moralisches Gebot, welches auch zum Preis des volkswirtschaftlichen Niedergangs und der damit einhergehenden humanitären Katastrophe einzulösen sei.
Erst am Montag hat Griechenland 588 Millionen Euro an den IWF überwiesen. 650 Millionen Euro wurden im März bereits zuvor zurückgezahlt, am Freitag sind weitere 360 Millionen fällig. Laut Spiegel sind im laufenden Monat aber noch weitere, lumpige 5850 Millionen zu begleichen.
Wie das geschehen soll - man weiß es nicht.

Szenenwechsel:
Im Jahr 1942 presste Nazi-Deutschland den Griechen einen Zwangskredit von 476 Millionen Reichsmark ab. Dies entspricht einem heutigen Wert von ca. 11 Milliarden Euro. Die Rückzahlung wurde damals zwar vertraglich geregelt. Beglichen wurden diese Schulden aber nie.
1952 wurde beim Londoner Schuldenabkommen beschlossen, die Verbindlichkeiten der BRD gegenüber Griechenland zurückzustellen, bis ein 'Friedensvertrag', nach der aus damaligen Sicht eher unwahrscheinlichen Wiedervereinigung, ratifiziert werden sollte.

"Die mir nicht unwillkommene Debatte nutzte ich dazu, das stillschweigende Einverständnis der Vier, es werde keinen Friedensvertrag und keine friedensvertragsähnliche Regelung mehr geben, offenkundig zu machen: 'Die Bundesregierung schließt sich der Erklärung der vier Mächte an und stellt dazu fest, daß die in der Erklärung der vier Mächte erwähnten Ereignisse und Umstände nicht eintreten werden, nämlich daß ein Friedensvertrag oder eine friedensvertragsähnliche Regelung nicht beabsichtigt sind.'Für das Protokoll erklärte der französische Außenminister, der den Vorsitz führte: 'Ich stelle Konsens fest.' Damit war einvernehmlich niedergelegt, daß weder das Potsdamer Abkommen noch die Pariser Verträge der alten Bundesrepublik mit den drei Westmächten in Zukunft als Grundlage für die Forderung nach einem Friedensvertrag dienen konnten. Die Forderung nach einem Friedensvertrag konnte also definitiv nicht mehr erhoben werden - damit war uns auch die Sorge vor unübersehbaren Reparationsforderungen von den Schultern genommen."
aus: Genscher, Erinnerungen (1995) S. 846

Auf eine Anfrage der Linken (von wem sonst?) zu der (jetzigen) Haltung der Bundesregierung zu den Reparationszahlungen:

"Das Bundesfinanzministerium hält diese Zwangsanleihe über 476 Millionen Reichsmark der griechischen Zentralbank an Nazi-Deutschland im Rahmen des Reparationsvertrages von 1960 für abgegolten, berichtet die "Bild"-Zeitung aus einer Antwort der Regierung auf eine Anfrage der Linken im Bundestag.

"Infolge des historischen und sachlichen Zusammenhangs der Zwangsanleihe . . . ist diese formal ohne Weiteres als Reparationsforderung . . . zu klassifizieren", zitiert das Blatt. Damit fällt sie nach Lesart der Bundesregierung unter den Wiedergutmachungsvertrag, den Deutschland und Griechenland 1960 abgeschlossen haben und in dem sich Deutschland damals zur Zahlung von 115 Millionen Mark verpflichtet hatte. In diesem Vertrag sei die Frage der Wiedergutmachung von NS-Unrecht "abschließend geregelt", heißt es in der Antwort der Bundesregierung weiter."

(Quelle: RP-online)

Eine Forderung Griechenlands gegenüber der BRD in Höhe von etwa 11 Milliarden Euro ist also mit 115 Millionen Mark (!) abgegolten. Soso.

Soviel zur Haltung der amtierenden Regierung zu Schuld(!) und Schulden.
Dann doch lieber in Rüstung investieren.
Ja, so ticken halt die Christen.

Ob die Forderungen Griechenlands justiziabel sind, kann ich nicht beurteilen. Rechtsexperten kommen bei der Beantwortung dieser Frage zu unterschiedlichen Ergebnissen. Dass die Forderungen moralisch berechtigt sind, steht für mich aber außer Frage. Stattdessen aber fordert unser Finanzminister die Zahlungsmoral anderer ein. Ausgerechnet bei Jenen, die verzweifelt versuchen eine Staatsinsolvenz abzuwenden. Ohne Gnade, ohne Kompromisse.
Die europäische Wertegemeinschaft (sic) unter Finanzierungsvorbehalt.

Und Schäuble, der damals einen Koffer mit 100.000 Mark Spendengeld vom Waffenhändler Karlheinz Schreiber 'vergessen' hat, meint selbstgerecht mit dem Finger in Richtung Griechenland zeigen zu müssen.
(Merkel genervt, weil Journalist seinen Job macht)
 
"Sie werden auch die griechischen Schulden nicht durch wie immer zu konstruierende (!!!) deutsche Verpflichtungen aus dem Zweiten Weltkrieg bezahlt bekommen", sagte Schäuble. "Wer sowas seiner Bevölkerung verspricht, verschweigt ihr die Wahrheit. Das ist ganz schlecht."(Quelle: SPON-online)


Ein erbärmliches Schauspiel, aber ein schönes Beispiel für das doppelmoralinsaure Deutschherrentum.

Es ist mal wieder einer dieser Momente, in dem ich mich schäme, Deutscher zu sein.

Update:
Dazu auch:
Schäbiges Spiel (Deutschlandfunk)