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Dienstag, 21. März 2017

Humanressourcen (/Humankapital)

Abteilung: Mir fehlen die Worte

In meinem letzten Beitrag benutzte ich zynischerweise das Wort 'Humanressourcen' (fast synonym mit 'Humankapital' - Unwort des Jahres 2004).
Für mich der Euphemismus der Realität innerhalb des Kapitalismus in einem (bzw. zwei) Wort(en). Darüber hinaus ist dieses Wort im weitergedachten Sinne zutiefst menschenverachtend.
Andererseits verblüffend offen: Da weiß man doch, welchen Stellenwert man im kapitalistischem System hat.

Werfe Euch Mitlesenern mal den Handschuh in's Gesicht:
Welches Wort ist noch perfider?

Dienstag, 14. März 2017

Des Wüterichs neue Kleider

Abteilung: Getürkt

Es ist wirklich eine Schmierenkomödie, die sich da auf den internationalem Parkett abspielt. Erdogan gibt den Wüterich und ich prognostiziere jetzt schon (unabhängig vom Ausgang des Referendums in der Türkei) dass nach dem 16. April die inszinierte Eskalation ganz schnell abkühlen wird.
Denn, wenn man sich vom Gepolter nicht ablenken lässt, dann steht Erdogan mit dem Rücken zur Wand. Die Wirtschaft hängt in den Seilen, da sich das Kapital (und auch die Touristen) nachvollziehbarer Weise zurückzieht. Die Türkei dürfte es in Zukunft ziemlich schwer haben, ihre Schuldenlast zu bedienen.

Die innenpolitische Lage in der Türkei gibt auch genügend Anlass, mit absurden Faschismusvorwürfen von ihr abzulenken: Die öffentlichen Dienste sind überlastet, da gerade dummerweise u.a. tausende Beamte einsitzen. Und so herzlos und unsensibel es sich auch anhören mag, so bleibt es doch im Kern wahr: Massenhaftes Wegsperren tausender Oppositioneller (Neusprech: Terroristen) kostet 'Humanresourcen' (ein Anwärter für das menschenverachtenste Wort, welches sich Menschen jemals ausgedacht haben) und viel, viel Geld. Zusätzlich sehr hohe Rüstungskosten und wenig auf der Einnahmenseite. Da wird der lukrative Flüchtlingsdeal für Erdogan schnell wichtiger als für Merkel. Besonders nach der Bundestagswahl.

Und man muss auch weder Hellseher noch Politologe sein, um zu wissen, dass man Opposition nicht dauerhaft wegsperren kann. Ist keine nachhaltige Lösung. Geht schief. Immer. Binse.
Außenpolitisch steht die Türkei unter Erdogan ebenfalls isoliert da. Putin nimmt den keifenden Wüterich nicht ernst. In Richtung Putin poltert Erdogan nicht (mehr). Putin würde Erdogan vermutlich auslachen, wenn dieser dort Wahlveranstaltungen abhalten wollte. Die Beziehung zu seinen geographischen Nachbarn könnte ebenfalls besser sein. Dann noch Syrien und der Kurdenkonflikt.

Obwohl ich Erdogan für cholerisch halte (oder ihm nur seine Rolle abkaufe?) bezieht Erdogan seine Motivation meiner Einschätzung nach nicht aus Wut, sondern aus purem Kalkül. Europa ist der Resonanzkörper für seine Ablenkungsmanöver, die von den eigenen Problemen ablenken sollen.  Außerdem kann er so sein Alpha-Männchen-Image pflegen, was bei vielen TürkInnen offensichtlich gut ankommt.

Nun, die Prognosen sehen die Gegenbewegung im Vorteil. Da kann man sich ja nach Trump und Brexit entspannt zurücklehnen...

Was ich mir im Moment nicht ausmalen kann, ist die Reaktion Erdogans auf ein gescheitertes Referendum. Meine Phantasie stößt da an ihre Grenzen.
(Liebe Leser, bitte helft mir und postet mögliche Szenarien - die nicht ernst gemeint sein müssen)

Na, und wenn er gewinnt? Worst Case? Dann bleibt abzuwarten, wie er seine neue Macht gebrauchen wird. Meine Prognose in diesem Szenario ist, dass er nach einem erfolgreichen Referendum relativ schnell und in großer Zahl die Oppositionellen (darunter Yücel) frei lassen wird. Die Oppositionellen können das Referendum ja nicht mehr beeinflussen, und ewig kann man sie nicht einsperren (s.o.).
Und dafür wird er sich feiern lassen! Große Geste und so. Erdogan der Menschenfreund und Demokrat.
Dann geht's in die nächste Runde...

Ich bin ein großer Fan von 'Game of Thrones'. Aber manchmal ist die echte Welt noch spannender als die fiktive. Blöd nur, dass man in der echten Welt mit den Konsequenzen leben muss...

Mittwoch, 8. März 2017

Zitat des Tages: Wahlkampfarithmetik

Abteilung: Hochprozentiges
"Wenn Herr Schulz sagt, 40 Prozent der jungen Arbeitnehmer hätten nur einen befristeten Arbeitsvertrag, dann stimmt das schlicht nicht. In Wirklichkeit sind es weniger als die Hälfte."
CDU-Vize Thomas Strobl
SPIEGEL Print-Ausgabe Nr. 10, Seite 41

Update (20.03.17):
In der aktuellen Printausgabe des SPIEGELs taucht dieses Zitat im 'Hohlspiegel' auf. Der SPIEGEL zitiert sich selbst unter 'Stilblüten'.
Verschwörungstheorie: SPIEGEL-Redakteure lesen den Duderich!
Gegenthese: Sie sind von selbst drauf gekommen.

Sonntag, 5. März 2017

Zwangsehe durch Flüchtlingsdeal

Abteilung: Rosenkrieg
Die deutsch-türkischen Beziehungen waren schon mal besser. Es sind längst keine diplomatischen Spitzen mehr, die ausgetauscht werden: Es ist offene Konfrontation.
Merkel duckt sich zur Zeit weiterhin weg. Dass ein geplatzter Flüchtlingsdeal Merkel die Kanzlerschaft kosten könnte, weiß Erdogan natürlich. Und diese Karte spielt er.
Die Causa Yüksel ist eine Ohrfeige Richtung Deutschland. Eine Provokation.
Als Reaktion kamen verhalten kritische Worte und keine Konsequenzen.
Und so geht es hin und her:
Die Türkei provoziert - und die Merkel-Regierung will Erdogan bis zur Wahl zähmen.

Und so werden auch weiterhin nur Worte statt Taten die Reaktion auf Erdogan sein.
Bis zur Wahl.

Und danach?
Man wird sehen.

Ich bin nicht optimistisch.

Montag, 16. Januar 2017

Technische Probleme

Abteilung: Digital ist besser

Mein Haushalt wurde von analog auf digital aufgerüstet. Außerdem gab es Missverständnisse mit meinem Provider. Heißt konkret, dass ich erst in ca. drei Wochen neue Dosen gesetzt bekomme und bis dahin zuhause keinen Zugang zum Internet habe.

In diesem Zeitraum werde ich wohl nichts posten und seltener kommentieren/freischalten.

Vielen Dank für Euer Verständnis.

Sonntag, 8. Januar 2017

Die feynsinnige Bannliste

 Du bist jedenfalls wieder auf der Bannliste. Ich lasse mich nur mit Niveau provozieren und nicht dauernd von denselben Trollen."

Abteilung: Grober Feynsinn

Ich lese gerne Flatter. Seinen Feynsinn-Blog werde ich auch weiterhin in meiner Blog-Roll behalten.
Gerade wurde ich (mal wieder - als Troll) verbannt.
Das ist okay, denn er hat das Hausrecht.
Seine Attitüde kann ich aber nicht wirklich nachvollziehen.
Wer Bock auf diesen Scheiß hat, kann das HIER verfolgen.

Für mich ist Flatter eine gut schreibende Zicke. Kann man gut lesen, aber im kommentieren sollte man dann doch sehr, sehr vorsichtig sein.

Ohne Zweifel ein heller Kopf (schlauer als ich), der dann leider aber allzuschnell Andersdenkende verbannlistest.

Eine klare Empfehlung meinerseits an die Inhalte seiner Posts.
Kommentare allerdings, bitte unterwürfig oder betreiberkonform gestalten.

Sonst geht das ganz schnell - ZACK Bannliste.

Also, nach wie vor ist Feynsinn lesenwert.
Aber überlegt euch vorher dreimal, was ihr in den Kommentaren loslasst.

Sicher, es ist sein Garten.
Aber zieht vorher bitte die Schuhe aus!

Utopia, oder die Zerstrittenheit der Linken

 Abteilung: Utopische Utopie

Ich folge manchmal den Seitenaufrufen meiner Leser und lese dementsprechend manchmal ältere Posts und deren Kommentare.

Schmunzeln ließ mich die Lektüre der Kommentare zu diesem Post:

Der ist drei Jahre her, und ich schmunzele nicht, weil die Kommentare zum schmunzeln sind. Es ist einfach nur lange her und es ist dann durchaus witzig, seinen eigenen Sermon, und den von anderen zu lesen.

Die Komentarfülle zu meinen Beiträgen war damals auch größer als heute. Besonders bei diesem Beitrag war sie extrem hoch.

Ich vermisse und gedenke in diesen Zusammenhang besonders (alphabetische Reihenfolge)
@Rosie
@Ruby
@Troptard

Nicht vermisse ich:
Der Herr Karl (alias Andre) und
Charlie

Ich will hier keine Klicks generieren, in dem ich alte Posts aufwärme. Selbst 1.000.000 Clicks würden mir 0,000.000 Cent einbringen.

Mir machte es einfach Spaß, die Kommentare noch einmal zu lesen. Auch meine.
Obwohl sie in der Besenkammer des Internets gelagert sind (und dabei nicht unbedingt reiften, wie Whiskey in einem Cognac-Fass) so betrachte ich sie doch noch als lesenwert.

Und mal angenommen, das herrschaftliche kapitalistische System würde überwunden werden, so kriegt man hier möglicherweise einen Eindruck, was danach passiert.

Denn auch die Ausarbeitung einer nichtkapitalistischen Utopie muss (und wird im gegebenen Falle) nicht friedlich ablaufen.
Um genau das zu illustrieren, wärme ich diesen alten Post auf.


Samstag, 7. Januar 2017

Wintergatan: Maschinenkunst

Abteilung: In Kugeln geronnene Noten

Eigentlich wollte ich das Video ursprünglich als unpolitisch verkaufen.

Tatsächlich sind Maschinen aber hochpolitisch, da sie ja die menschliche Arbeitskraft ersetzen und somit (je nach Stoßrichtung der eigenen Denke) entweder zu verteufeln sind, oder Verheißung versprechen.

Bei dem Thema landet man dann - wenn man die immer mehr automatisierte Produktion und deren Einfluß auf die Arbeitswelt in seine Überlegungen einbezieht - wiederum ganz schnell beim bedingungslosen Grundeinkommen versus der Bürgerversicherung und wie diese auszugestalten sind.

Undsoweiterundsofort

So hat so ziemlich alles, zumindest mittelbar, irgendwie eine politische Komponente. So auch dieses Video, bzw. die Marbel Machine.
Vielleicht greife ich das Thema an anderer Stelle noch einmal auf.

Für mich ist das jedenfalls ganz große Kunst, und als ich sie das erste Mal gesehen habe, konnte ich kaum glauben, dass Jemand so kreativ wahnsinnig sein kann, solch eine Konstruktion zu entwickeln und dann auch noch zu bauen.
Leider gibt es viel zu wenige solcher Wahnsinnigen. Ich kann das nur feiern!